Kairo
Mutter der Welt
Zentrum der 20-Millionen-Metropole ist der Midan at Tahrir , der Platz der Befreiung, mit dem Ägyptischen Museum im Norden, dem Nile Hilton Hotel im Westen und dem halbrunden, kafkaesken Verwaltungssitz der Mugamma im Süden. Unter dem Platz befindet sich die zentrale Metro-Station »Sadat«.
Afrikas bevölkerungsreichste Stadt und eine der größten der Welt ist für Nordeuropäer wahrlich eine gewöhnungsbedürftige Metropole. Hektisch, chaotisch, mit einem permanenten Verkehrsstau auf allen Straßen und zu jeder Tageszeit, laut und lärmend, mit übervollen Bürgersteigen, mit Smog und Schmutz allerorten versöhnt sie doch durch ihre unzähligen herausragenden pharaonischen und muslimischen Sehenswürdigkeiten. Hat sich der Besucher vom ersten Schrecken erholt, dann wird er die Skyline der Minarette, von denen fünfmal am Tag der Muezzin die Gläubigen zum Gebet ruft, zu schätzen wissen und schneller als gedacht gewöhnt man sich an das chaotische Treiben.
Alt-Kairo – das koptische Kairo
An der Station »Mari Girgis« wendet man sich nach links und gelangt nach etwa 150 Metern rechter Hand zu einer abwärts führenden Treppe, die in eine schmale Gasse mündet. Hier beginnt der Besichtigungsrundgang durch Alt-Kairo. Wenige Meter weiter liegt linker Hand das griechisch-orthodoxe Kloster des heiligen Georg , das noch immer von einigen Nonnen bewohnt wird. Der Konvent selbst ist für Besucher geschlossen, aber die hohe und schmale Gebetshalle samt Kapelle aus dem 10. Jahrhundert kann besichtigt werden.
Die Kirche der heiligen Barbara (4. Jh.) war einst den beiden Märtyrern Cyrus und Johannes geweiht. Nach einem Brand wurde das Gotteshaus im 11. Jahrhundert neu errichtet und bald darauf fanden hier die sterblichen Überreste der heiligen Barbara ihre letzte Ruhestätte. Die mutige Streiterin für das Christentum wurde – glaubt man der Legende – von ihrem eigenen Vater getötet, als sie ihn zum neuen Glauben bekehren wollte.
Um 1900 wurde in der kleinen Ben-Ezra-Synagoge ein bedeutender Fund gemacht. Bei Umbau- und Restaurierungsarbeiten fanden die Archäologen eine große Zahl mittelalterlicher Schriftstücke; diese sogenannten Geniza-Dokumente verzeichneten exakt die Handelsaktivitäten der jüdischen Kairoer über mehrere Jahrhunderte. Die Synagoge ist das älteste jüdische Gotteshaus der ägyptischen Metropole.
Zuflucht vor den Häschern des Herodes fand die heilige Familie angeblich in einer Höhle, über der im 5. Jahrhundert eine Kirche für die römischen Märtyrer St. Sergius und St. Bacchus errichtet wurde. Die Krypta, also das vermeintliche Versteck von Maria, Josef und dem Jesuskind, liegt ca. zehn Meter unter dem Bodenniveau und ist zu besichtigen. Alljährlich am 1. Juni findet in dem Gotteshaus eine Messe statt, die an das biblische Ereignis erinnert.
Das Koptische Museum – Anfang des 20. Jahrhunderts in Eigeninitiative von dem reichen Kaufmann Marcus Simaica gegründet – zeigt eine Vielzahl von Exponaten aus der griechisch-römischen Zeit bis in die islamische Ära (300 bis 1000 n. Chr.). Handschriften und Manuskripte, darunter die älteste gebundene Handschrift der Welt, Holz-, Metall- und Steinarbeiten, Glas- und Keramikwaren, liturgische Instrumente und vieles mehr sind zu besichtigen.
Einen Steinwurf entfernt erheben sich vor dem Haupteingang des Museums die beiden Türme der Festung Babylon, die unter den römischen Kaisern Trajan und Hadrian (98–138 n. Chr.) errichtet wurden und die die einzigen noch sichtbaren Teile des einstigen römischen Forts sind.
Damals lagen die Festungsmauern direkt am Ufer des Nils, aber im Laufe der letzten 2000 Jahre hat sich das Flussbett rund 400 Meter weiter nach Westen verlagert. Hier befindet sich auch ein kleiner schattiger Park mit einem einfachen Café.
Eine breite und hohe Freitreppe führt auf die barocke Fassade der Kirche Al Moallaqa hinauf, die deshalb als »die Hängende« bezeichnet wird, weil sie nicht auf dem Erdboden, sondern auf den südwestlichen römischen Bastionen errichtet wurde. Schon im 7. Jahrhundert diente sie als Bischofskirche, wurde im 10. Jahrhundert neu errichtet und ist seit dieser Zeit das Gotteshaus des koptischen Patriarchats. Gemäß ihrer Bedeutung fanden über die Jahrhunderte immer wieder sorgsame Restaurierungen statt.
Verlässt man das koptische Kairo durch die beiden Tortürme der Festung Babylon und wendet sich nach rechts, so steigen wenige Meter weiter die Stufen zur Kirche Mari Girgis St. Georg auf; an der Fassade des Gotteshauses zeigt ein großes Relief den Drachentöter. Wer der Straße weiter folgt, erreicht schnell Fustat mit der Amr Ibn al As-Moschee . Dieser arabische Heerführer eroberte das Land am Nil im Jahr 640 für den Islam und ließ hier sein Armeelager anlegen sowie das Heiligtum – nicht nur das älteste Ägyptens, sondern von ganz Afrika – für den neuen Glauben errichten. Der heutige Bau stammt größtenteils aus dem 15. Jahrhundert.
© Vista Point Verlag GmbH