Assuan (Aswân)
Die sympathisch wirkende Stadt am ersten Nil-Katarakt in Oberägypten (ca. 800 km südlich von Kairo) zählt etwa 400000 Einwohner und ist wegen ihres ausgeglichenen Klimas ein beliebter Winterkurort. Der bekannteste Kurgast war Aga Khan, das 1957 verstorbene Oberhaupt der Sekte der Ismailiten.
Bereits in pharaonischer Zeit gab es an der Stelle des heutigen Assuan eine Ansiedlung, deren Lage strategisch gut gewählt war: Wegen der Stromschnellen und Felsbarrieren im Wasser konnte der Fluss gut kontrolliert werden. Darüber hinaus endete hier eine Karawanenstraße, auf der Waren und Schätze aus Nubien ins Ägyptische Reich gebracht wurden, und für die Bautätigkeit der Pharaonen waren die Rosengranit-Steinbrüche der Umgebung wichtig.
Die erste Ansiedlung hieß Jebu, Elefantenland. Daran erinnert heute noch der Name der Insel Elephantine mitten im Nil am südlichen Ende der Uferstraße, der Corniche. Eine kleine Felukenfähre setzt auf die eineinhalb Kilometer lange Insel über. Einen Steinwurf von der Anlegestelle entfernt befindet sich in dem ehemaligen Haus des ersten Staudammerbauers Sir William Willcox ein kleines Assuan-Museum mit Funden aus der Region. In einem neuen Anbau sind die Exponate ausgestellt, die in den 1990er Jahren u.a. vom Deutschen Archäologischen Institut an der Südspitze von Elephantine ausgegraben wurden.
Danach kann man über das Grabungsgelände spazieren, Reste eines Heiligtums der Göttin Satis, der »Herrin von Elephantine« und Bringerin der Nilflut, einen größeren Tempel des Schöpfergottes Chnum und Fundamente der Häuser besichtigen. Sehr interessant ist am Ufer des Flusses auch ein Blick in den Nilometer , in dem seit den pharaonischen Tagen die Wasserstandsschwankungen des Stromes zur Besteuerung gemessen wurden; deutlich sind die Messskalen, die aus pharaonischer, römischer, griechischer und arabischer Zeit datieren, zu erkennen.
Auf Kitchener Island zwischen der Nordspitze von Elephantine und dem Westufer des Nils wurde ein botanischer Garten angelegt. In dieser grünen, ruhigen Oase kann man sich nach dem Sightseeing entspannen und den gravitätischen Ibissen zuschauen, die im seichten Uferwasser stehen.
Gegenüber von Kitchener Island erhebt sich weithin sichtbar auf einer hohen Sanddüne am westlichen Nilufer das im muslimisch-indischen Stil erbaute und kuppelüberkrönte Mausoleum des Aga Khan . Täglich wird am Sarkophag eine frisch geschnittene Rose niedergelegt. Aus Angst vor Anschlägen der Fundamentalisten ist das Mausoleum derzeit geschlossen. Unterhalb des Mausoleums liegt die Villa der Begum, seiner Ehefrau, die im Juli 2000 starb.
Vom Mausoleum des Aga Khan ist es nur ein kurzer Fußweg bis zu den gut erhaltenen Ruinen des Simeonsklosters , das im 7. Jh. gegründet und 300 Jahre später wesentlich erweitert wurde. Die Anlage verfügte über keinen Brunnen, und so musste das Wasser vom Nil herangeschafft werden. Nicht zuletzt auch wegen der Beduinen-Überfälle gaben die koptischen Mönchen das Kloster schließlich im 13. Jh. auf. Der Komplex mit einer Basilika, Mönchszellen und verschiedenen Wirtschaftsgebäuden ist in einem guten baulichen Zustand und von einer ca. 7 m hohen Mauer umgeben.
Vom Simeonskloster kann man einen längeren Spaziergang durch die Wüste in Richtung Nil unternehmen und dann eine hohe Düne hinaufklettern. Dort oben befindet sich das Kuppelgrab eines lokalen Heiligen, das den poetischen Namen Kubbet al Hauwa (= »Stern der Lüfte«) trägt. Von diesem höchstgelegenen Punkt Assuans hat man einen phantastischen Blick auf den Nil mit seinen vielen Feluken, die Inseln im Strom und auf die Skyline der Stadt.
Unterhalb des Grabmals liegen die Felsengräber von Assuan , zu denen vom Fluss aus zwei Rampen hinaufführen; auf diesen zog man in früheren Tagen die Sarkophage in die Höhe. Die letzten Ruhestätten datieren aus dem Alten und Mittleren Reich. Ein auf Bakschisch hoffender Schlüsselwärter patrouilliert entlang der Gräber und schließt diese auf.
Unterhalb der Grabterrasse befindet sich am Ufer der Anleger einer kleinen Motorfähre, die Besucher ans andere Nilufer bringt.
Wieder zurück am südlichen Ende der Corniche kann man in Ägyptens atmosphärereichstem Fünf-Sterne-Hotel, dem Old Cataract , eine Tasse Tee trinken. Der zweistöckige Bau im georgianischen Stil stammt aus der Zeit des britischen Protektorats und bietet anerkanntermaßen die schönste Aussicht des ganzen Landes. In der Ferne sieht man die Ruinen des Simeonsklosters. Agatha Christie schrieb auf der Veranda Teile ihres Klassikers »Tod auf dem Nil«.
In den ehemaligen sogenannten nördlichen Steinbrüchen südlich von Assuans Zentrum kann man am Unvollendeten Obelisken die Arbeitsweise der pharaonischen Steinmetze erkennen. An den Seiten war die gigantische Nadel bereits vom Granit losgeschlagen und nur noch an der Unterseite mit dem Fels verbunden. Deutlich sichtbar sind zwei Risse, die das Gestein durchschneiden; sie hätten den Koloss bei der endgültigen Loslösung vom Fels zerbersten lassen und so verzichtete man auf die weitere Bearbeitung.
Die Archäologen konnten an der unvollendeten Steinnadel die Arbeitstechniken der damaligen Handwerker studieren. Hätte man ihn tatsächlich unversehrt vom Grund loslösen können, so wäre dieser Obelisk mit 41,74m Höhe und einem Gewicht von 1168 t der größte gewesen, den die Alten Ägypter je brachen.
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