Trend Guide Kenia
Marc Engelhardt
lebt in Kenia und ist als Journalist und Fotograf unterwegs in ganz Afrika. Er ist sich sicher: Kenia braucht sich in Sachen Szene auf gar keinen Fall zu verstecken. Vor allem in der Hauptstadt Nairobi, einem Melting Pot aus afrikanischen und vielen anderen Kulturen, entstehen Trends und es ist ständig etwas Neues geboten! (www.oneplanetmedia.de)
Eiszeit - Gute Kufenlage
Die Kenianer gehen seit neuestem aufs Eis. Wer mitgehen will, seine Schlittschuhe aber vergessen hat - kein Problem! Auf der einzigen Eisbahn Ostafrikas, dem Solar Ice Rink (im Panari Sky Centre | Mombasa Road | Nairobi) kann man die Kufen auch leihen. Die Eisbahn ist ein absoluter In-Treff! Schon bald, so der Wunsch der Macher, soll hier auch Afrikas erstes Eishockeyteam spielen - trainiert wird schon fleißig.
Poetry performances - Do-it-Yourself-Poesie
Kwani? heißt das neue Stichwort in Sachen Literatur: An jedem dritten Sonntag im Monat treffen sich Hobbydichter unter diesem Titel im Kengeles (Lavington Green, Nairobi) zum Sunday Salon. Egal ob Student, Hausfrau oder Taxifahrer - die Autoren lesen aus ihren Werken und stellen sich danach der Kritik. Raue Slum-Poesie ist genauso vertreten wie leichte Prosa. Mittlerweile gibt es drei Kwani?-Sammelbände (www.kwani.org).
Recycling goes art - Von wegen schrottreif
Wer denkt, das ist Müll, der wird von Kenias Künstlern eines Besseren belehrt. Herrlich schräg und total abgefahren: Die Artists um das Projekt Flip-Flop I-Was (Marula Studios, Karen und auf Lamu | www.uniqueco-designs.com) sammeln angeschwemmte Flip-Flops und machen daraus Skulpturen, Spielzeug, Schlüsselanhänger und sogar Vorhänge....
Der Bildhauer Kioko Mwitiki (General Mathenge Close | Westlands | Nairobi) bearbeitet verrostetes Industriemetall so lange, bis einzigartige Tiere entstehen, die er in seinem Garten zur Schau und zum Verkauf stellt. Und Schuhe aus abgefahrenen Autoreifen sind weit mehr Kunstwerk als Nutzartikel: Die Massai binden aus dem Gummi mit Profil Sandalen, die dank Maasai Treads (in Banana Box oder Spinner's Web | Westlands | Nairobi | www.maasaitreads.com) jetzt auch alle anderen anziehen können.
Zug um Zug - Smoking Areas
Shishas, arabische Wasserpfeifen, sind der letzte Schrei in Nairobi: Der inhalierte Wasserdampf schmeckt kaum nach Tabak, es dominieren exotische Noten wie Minze, Erdbeere oder Apfel. Nirgendwo raucht es sich so romantisch wie im Casablanca (Lenana Road, neben Osteria del Chianti), einer Lounge im Stil einer nordafrikanischen Kasbah. Der DJ spielt arabische Klänge, im Garten brennt ein Lagerfeuer, drinnen relaxen die Gäste auf plüschigen Kissen. Von der Terrasse des Al Pasha im zweiten Stock des Panari Sky Centre (Mombasa Road) beobachtet man zwischen zwei Shisha-Zügen Zebras und Giraffen in Nairobis Nationalpark.
African Beauty - Neue, alte Beauty-Geheimnisse
Pamper yourself - verwöhne Dich selbst! Afrikanische Wellness heißt die neue Trendformel an den weißen Stränden Kenias. Dabei kommen neuerdings wieder traditionelle Beauty-Elixiere wie Shea-Butter und Öle zum Einsatz. Nach einem Open-Air-Yoga-Workout geht es zum Beispiel im Shaanti Holistic Health Retreat ins Avocado-Öl-Schaumbad mit Meerblick. Hineingleiten, im Sternenhimmel versinken und alles um sich herum vergessen. Danach gibt's eine Shea-Butter-Massage - willkommen im kenianischen Wellness-Himmel (neben Baobab Beach Resort, Diani Beach | www.shaantihhr.com). Marula-, Baobab- und Mafura-Butter sind die Geheimrezepte beim African Beauty Mud Wrap - gibt's im Uzuri Spa & Fitness Forest (im Leopard Beach Resort, Diani Beach | www.leopardbeachresort.com).
Fabrik-Kunst - Die Szene setzt sich in Szene
Im Go Down Arts Centre, das versteckt in Nairobis Industriegebiet liegt, trifft sich Kenias Künstlerszene (Dunga Road | Industrial Area | www.thegodownartscentre.com). Am Tag kann man den Artists zusehen, wie sie auf dem ehemaligen Fabrikgelände in ihren kleinen Ateliers zeichnen, malen oder drucken, während auf dem Hof Busse von Graffitisprayern verschönert werden. Abends verwandelt sich die ehemalige Werkshalle in eine Bühne für modernen Tanz, Musicals oder Performances aller Art. Die Werke in der Galerie RaMoMa (Rahimtulla Tower, Upper Hill | www.msanii.com) kann man nicht nur bestaunen, sondern auch kaufen. Im Café Le Rustique (General Mathenge Road | Westlands | www.lerustique.co.ke) gibt's ein Tässchen Kaffee und eine Waffel auf die Hand, während man sich die Exponate der wechselnden Ausstellungen ansieht.
Afterworks - Stylish in die Nacht
Business People werden zu Szenegängern. Für alle, die an Nairobis Börse seit einigen Jahren Karriere machen, gibt es jetzt auch die passenden Bars: Im Club Soundd (Standard Street/Ecke Wabera Street) schlürft man nach Feierabend einen Cocktail und chillt zu gedämpften Loungemusik-Klängen. Am Wochenende werden irgendwann die Tische zur Seite gerückt, um zu Livemusik zu tanzen. Selbst gebrautes Bier in stylisher Atmosphäre ist die Spezialität im Sierra (Mombasa Road, neben dem Panari Hotel | www.sierrabrasserie.com) einer umgebauten Möbelfabrik. Zu Steaks, Fisch und Meeresfrüchten gibts Helles oder Dunkles, die Stange (0,3l) für 140 Schilling. Das schmeckt nicht nur Yuppies!
Styleguide - Fashion made in...
Kenia
Afrikanische Traditionen sind die Basics der modernen Modedesigns aus Kenia, zu sehen etwa beim preisgekrönten Fashionlabel Moo Cow, das aus feinen Stoffen und gebatiktem Leder schicke Abendgarderobe schneidert (Shop im Silver Springs Hotel | Nairobi). Maro Designs entwirft aus Knochen, Schaumkoralle oder Kupfer den passenden Schmuck dazu (Kileleshwa Ring Road | Nairobi | maro@wananchi.com). Für den Strand hat Kikoy Kenias Beachwear neu erfunden: Aus dem traditionell bunt gestreiften Tuch werden Bikinis, Pareos und Badetücher mit Geheimfach hergestellt (Shops im Village Market und an der Junction | Nairobi | www.kikoy.com).
MARCO POLO Autor Helmut Grosse im Interview
Helmut Grosse arbeitete neun Jahre als Afrika-Korrespondent der ARD in Kenia.
Ihr „Verhältnis" zu Kenia - wann und wie begann es?
Das war Ende der Siebzigerjahre. Zusammen mit Frau und Tochter zog ich damals im Auftrag meines Arbeitgebers, des Westdeutschen Rundfunks, von Köln nach Nairobi. Geplant waren drei Jahre. Tatsächlich wurden - mit Unterbrechungen - neun daraus. Jahre, die unser Leben und uns selbst beeinflusst und verändert haben. Begegnungen mit faszinierenden Menschen, die Konfrontation mit einer fremden Welt, einer anderen Kultur, anderen Wertvorstellungen. Und nicht zu vergessen das Erlebnis einer grandiosen Natur. Das alles ist nicht ohne Folgen geblieben, auch nach unserer Rückkehr nach Deutschland. Aus einer Liebe auf den ersten Blick ist eine zweite Heimat geworden.
Was reizt Sie an Kenia besonders?
Das ist vor allem die unglaubliche Vielfalt der Landschaft. Wo können Sie schon auswählen, ob Sie in einer Tagesreise durch Hochmoore zu Gletschern klettern, durch die Einsamkeit einer sonnendurchglühten Wüste fahren oder an Bord einer Dhau die Inselwelt des Indischen Ozeans erkunden wollen?
Kommen Sie viel in Kenia...
herum?
Unser Wohn- und Arbeitsplatz war zwar Nairobi, doch es waren vor allem die Ereignisse in anderen Ländern Afrikas, die uns mehr beschäftigt haben. In den letzten Jahren gehörten zunehmend Kriege und Katastrophen zum Reporteralltag: Uganda, Somalia, Liberia, Ruanda. Trotzdem, es blieb immer auch Zeit, der Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: Land und Leute in „unserem" Land, in Kenia, zu erkunden - entweder auf Reportage- oder auf privaten Reisen. Keine Region, die unentdeckt geblieben ist: ob Moyale an der somalisch-äthiopischen Grenze im Norden, der Paté im Indischen Ozean im Osten, Namanga an der tansanischen Grenze im Süden oder der Victoriasee im Westen.
Wie halten Sie heute den Kontakt?
Unsere Tochter ist nach Abschluss ihres Studiums nach Kenia zurückgekehrt und hat dort als freie Fotografin ihr Leben eingerichtet. Ein Grund mehr, auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland mindestens für sechs Wochen im Jahr nach Kenia zu fliegen und die Erkundungen fortzusetzen.
Was machen Sie jetzt beruflich?
Ich arbeite als freier Autor von TV-Dokumentationen vorwiegend für den WDR. Vor allem für die ARD-Reihe „die story" habe ich zuletzt Filme produziert: z.B. „Im Fadenkreuz der CIA", „Das Kartell" und - wieder mit Afrika-Reisen verbunden - „Der Griff nach dem Öl".
© Verlag Marco Polo