Welch seltsames Gebilde: eine Millionenstadt, wo dafür gar kein Platz war, ein kultureller Zwitter zudem, supermodern, doch exotisch, international, doch original chinesisch! Keine Frage: Hongkong zählt zu den faszinierendsten und aufregendsten Orten der Erde. Nicht zuletzt ist die Stadt am Perlflussdelta auch eine kulinarische Genussmetropole, deren Bewohner leidenschaftlich gern essen gehen. Und Macau? Das Las Vegas des Ostens ist gerade dabei, das amerikanische Vorbild zu überholen. Doch der einstige Vorposten Portugals hat auch ein europäisches, familiäres Antlitz mit Traditionen, die bis ins 16. Jh. zurückgehen.
Kein Zweifel: Hongkong bedeutet Fernostfaszination - und ist eine Herausforderung. Das Gedränge auf den Wegen, der Automief in den Straßenschluchten, der von den himmelstrebenden Fassaden widerhallende Lärm der Busgeschwader, Betonmischer und Presslufthämmer in dieser ewig hektischen Stadt: Mancher Gast ist nach zwei Tagen Shopping und einer Stadtrundfahrt erleichtert, wieder abreisen zu können.
Gewiss versäumt man dabei weder Paläste noch romantische Ruinen, weder berühmte Museen noch liebliche Plätze. Hongkongs Rekorde wirken eher nüchtern: Asiens zweitgrößte Finanzmetropole (nach Tokio), die höchsten Ladenmieten der Welt, die U-Bahn mit der welthöchsten Verkehrsleistung pro Kilometer. Die Wahrheit aber ist: Hongkong selbst ist eine einzige Attraktion mit seinem Wechsel von Bergen und Wasser, seinen Hochhäusern, seinen kulinarischen Genüssen. Als Wunder erscheint schon, dass dieses Kapitalistendorado am Rücken des chinesischen Riesen überhaupt funktionieren konnte - auf einem verzwickten Terrain, das für alles taugt, bloß nicht für die Anlage einer Millionenmetropole.
Tatsächlich planten die Briten, als sie die Insel 1841 besetzten, nur einen Stützpunkt und keine Großstadt. Schon bald zeigte sich: Es mangelte an bebaubaren Flächen und an Umland zur Versorgung der sich zügig entwickelnden Stadt. Die Insel sei bloß ein „kahler Fels mit kaum...
einem Haus drauf", rügte seinerzeit Viscount Palmerston im britischen Parlament. Daher weiteten die Briten ihr Beutestück auch noch zweimal aus: 1860 um die Halbinsel Kowloon - wie zuvor die Insel „auf ewig" abgetreten - und 1898 um das angrenzende Festland und weitere Inseln, die, damals auf 99 Jahre gepachtet, rund 90 Prozent der heutigen Fläche von 1100 km² ausmachen. Hongkongs Anbindung ans Hinterland blieb aber noch bis um 1980 eklatant schlecht, und dies nicht nur wegen der Grenze.
Als die Briten erstmals nach Hongkong kamen, bunkerten sie Frischwasser an einer Anlegestelle bei Aberdeen, wo Adlerholz umgeschlagen wurde, ein Grundstoff für Weihrauch. Gefragt, wie denn der Ort hieße, antworteten die ansässigen Bootsleute in ihrem Dialekt: „Hongkong", Weihrauchhafen. Die Briten aber glaubten, dies sei der Name für die ganze Insel, und übersetzten das hong (kantonesisch höng, hochchinesisch xiang), das sowohl „Duft" wie „Weihrauch" bezeichnet, mit fragrant, „duftend". Das Missverständnis, erst gut 140 Jahre später aufgeklärt, hält sich weiterhin hartnäckig.
Hongkongs Daseinszweck war von Anfang an das Geschäftemachen, und davon wussten auch viele Chinesen zu profitieren, die ihrer traditionsverhafteten und von einer Krise in die nächste taumelnden Heimat den Rücken kehrten und sich hier schon bald nach der Gründung niederzulassen begannen. Die größte Zuwandererwelle war im Bürgerkrieg und beim Vordringen der Kommunisten (in den Jahren 1945-49) zu verkraften. Bald bedeckten riesige Elendssiedlungen die Berghänge. 1953 gingen in einer einzigen Nacht die Hütten von 53000 Menschen in Flammen auf.
Die erste Aufgabe, um die Kolonie nicht im Chaos versinken zu lassen, war der Bau von Sozialsiedlungen - doch wo war der Platz dafür? Schon im 19. Jh. hatte man begonnen, Neuland aufzuschütten - die Queen's Road als erste Uferstraße liegt heute bis zu 650 m vom Wasser entfernt. Unterdessen sind ganze Buchten verschwunden und Berge abgetragen worden. Noch immer...
wächst Hongkong jährlich um mehrere Quadratkilometer. Vor allem musste man neue Städte in die ländlichen New Territories bauen. Dort lebt heute fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung von 6,7 Mio. Menschen. Die Hochhaussiedlungen mögen Außenstehenden missfallen, doch es gab und gibt dazu keine Alternative, auch nicht im Bewusstsein der Bewohner, die die heute verschwundenen Slums vielfach noch aus eigener Erfahrung kennen.
Die zahlreichen europäischen Luxuskarossen, die auf den Parkdecks vieler Hochhauskomplexe abgestellt sind, zeugen im Übrigen von einem erstaunlichen Wohlstand der Bewohner. Die Kunst, sich auf engem Raum zu arrangieren, müssen allerdings außer den superreichen Villenbewohnern fast alle Hongkonger beherrschen.
Hongkongs zweite Herausforderung war das Verkehrsproblem. Überall liegen Buchten und Berge im Weg. Erst ab 1980 trat dank der U-Bahn und zahlreicher Tunnels eine deutliche Verbesserung ein. Das dritte Hauptproblem war der Trinkwassermangel. In regenarmen Jahren musste rationiert werden. Heute sichern zwei dem Meer abgerungene Mammutreservoirs sowie eine Wasserleitung aus China die Versorgung. Am raschesten erledigte sich das vierte Problem: die Arbeitslosigkeit. Im Geldverdienen war man ja geübt. Zudem hatte Hongkong 1949 Shanghai in seiner Funktion als chinesisches Handels-, Produktions- und Finanzzentrum beerbt und stellte für das kommunistische China fast das einzige Tor zur Welt dar - für die kapitalistische Enklave eine einträgliche Erwerbsquelle. In den 1990er-Jahren jedoch wanderte fast die gesamte Industrie über die Grenze nach China ab. Viele Hongkonger pendeln seither nach Shenzhen zur Arbeit.
Heute präsentiert sich das Territorium als Ort unwahrscheinlicher Kontraste. Supermoderne Technik und chinesische Tradition, Großstadt und einsame Berge, Lärm und Stille - hier findet sich alles eng beieinander. Da werden neben dem Eingang zu einem schicken Nachtclub mit Hightechinstallationen in einem kleinen Blechschrein dem Gott...
der Türen, der Erde und des Reichtums Orangen und Weihrauch als Opfer dargebracht. Flott gekleidete Angestellte mit ihrem Mobiltelefon fahren auf den Friedhof, um die Gräber der Ahnen zu fegen, und gleich hinterm letzten 25-stöckigen Hochhaus beginnt subtropisches Dickicht, in dem tagsüber prächtige bunte Schmetterlinge flattern und nachts die Grillen zirpen. Der beherrschende Eindruck aber ist die Dynamik der Stadt, ihre Fähigkeit, neue Ideen und Pläne fast im Handumdrehen zu realisieren. Die neueste Mode hängt hier schon in den Geschäften, ehe sie in Europa überhaupt ausgepackt ist.
Vielen Besuchern erscheint die Stadt als völlig verwestlicht, doch bei genauerem Hinsehen hält dieser Eindruck nicht stand. Zwar blieb auch nach Hongkongs „Heimkehr" 1997 einiges aus britischer Zeit bestehen: die Währung, die Zweisprachigkeit, das Rechtssystem, die visumfreie Einreise und die Grenze zum neuen Mutter- und alten Vaterland. Auch Straßen wie Queen's Road oder Prince Edward Road tragen noch ihre alten Namen. Doch nur eine Minderheit spricht leidlich gut Englisch. Die Hochhäuser sind Eigenbau, errichtet mit Hilfe von traditionellen Bambusgerüsten. Noch immer wird Familiensolidarität groß geschrieben. Die Stadt und ihre Menschen sind modern und technikbegeistert, aber was nicht altchinesisch ist, sollte man darum noch nicht für westlich halten.
Streift man durch den Hochhausdschungel, erstaunt vor allem das hohe Maß an sozialer Ordnung. Die propere U-Bahn ist ebenso sicher wie graffitifrei. Fahren Sie auch hinaus auf die Inseln, wandern Sie über die Berge, entdecken Sie die Strände. Genießen Sie die Meeresfrüchte und all die anderen Köstlichkeiten der hiesigen Küche. Zwei Tage Hongkong sind immer schrecklich. Bleiben Sie eine Woche, und Sie werden noch eine zweite anhängen wollen. Haben Sie aber wirklich nur einen halben Tag Zeit, so fahren Sie auf den Peak. Das Prachtpanorama zeigt, was die Stadt und ihre Menschen leisten mussten und geleistet haben. Dies ist Hongkongs größtes Wunder. Seidenblusen kaufen können Sie auch zu Hause.
http://hkdigit.blogspot.com
Fotoblog mit englischem Text, häufig aktualisiert, thematisch bunt und aus Hongkonger Perspektive gestaltet.
www.tripadvisor.de
Über „Ziele auswählen" kommt man auf die Hongkongseiten mit nützlichen Besucherkritiken zu Hotels und Attraktionen sowie zu einem Forum. Ergiebiger noch sind die englischen Seiten unter www.tripadvisor.com und www.tripadvisor.co.uk.
www.misohoni.com/bba/hong-kong-blog
Eine Liste diverser Hongkong-Blogs, die Themenpalette reicht von Kungfu über Multikulti bis Lamma Island.
www.travelpod.com
Bringt Videos, Fotos und Reiseblogs. Hongkong finden Sie über den Menüpunkt „Destinations".
www.hiradio.net
Thematisch vielseitiges Internetradio (englisch und chinesisch) mit Downloads.
Kaum ein Hausbau beginnt ohne Fengshui-Experten
Der fengshui-Experte schaut, wie es an der Baustelle mit Wind (feng) und Wasser (shui) steht: mit den geheimen Einflüssen, die von der Umgebung ausgehen und ebenso gut Krankheit wie Wohlergehen oder Reichtum bewirken können. Gut ist es, einen Berg im Rücken zu haben und auf Wasser zu blicken. Auch die Gestalt des Hauses spielt eine Rolle. Von den spitzen Winkeln des Bank of China Tower heißt es, sie schneiden wie Dolche. In der Hongkong Bank dagegen herrscht gedeihlichste geomantische Harmonie.
Pferderennen sind die große Leidenschaft
Pferderennen in Hongkong - In Happy Valley finden Rennen schon seit 1846 statt, jetzt meist mittwochabends. 1978 kam die Anlage in Sha Tin hinzu; sie wird am Wochenende benutzt. Im Schnitt kommen pro Rennen fast 50000 Zuschauer. Da alle um ihre Einsätze bangen, herrscht eine fast unerträgliche Spannung - auch für Unbeteiligte ein Erlebnis. Die Rennsaison geht von Mitte September bis Anfang Juni. Details des Rennprogramms finden Sie unter www.hkjc.com/english/index.asp.
Pferderennen in Macau - Die 1991 eröffnete Rennbahn auf Taipa bietet 15000 Zuschauern Platz. Die meisten Rennen finden am Wochenende statt. Auf den unteren Rängen ist der Eintritt frei. Tel. 320868
Hunderennen - Eine Spezialität Macaus. Mo, Do, Sa und So ab 19.45 Uhr finden jeweils 14 Rennen statt. Canídromo | Avenida General Castelo Branco | Tel. 333399
Noble House
Der wohl bekannteste Hongkong-Roman, von James Clavell, handelt vom Intrigenspiel um wirtschaftliche Macht.
Alle Herrlichkeit auf Erden
Die west-östliche Liebesgeschichte von Han Suyin spielt in Hongkongs schwieriger Nachkriegszeit 1949.
Suzie Wong
Richard Mason schrieb die Geschichte jener Schönheit vom Wan-Chai-Kiez, der die Verfilmung (1960, Regisseur Richard Quine, mit William Holden und Nancy Kwan) zu Weltruhm verhalf.
Bilder aus Hong Kong
Die Vielfalt und Widersprüche des modernen Hongkong wurden in diesem Buch eingefangen von Karl Johaentges (Fotos) sowie Erich und Marieanne Follath (Text).
Der Mann mit dem goldenen Colt
In westlichen Filmen lieferte Hongkong den beliebtesten Drehort für Fernostexotik. Chinesen hatten darin allenfalls Nebenrollen, so in diesem James-Bond-Film (1974, Regie: Guy Hamilton, mit Roger Moore).
Chungking Express
Ein echter Hongkong-Film, der auch im Westen in die Kinos kam. Er erzählt zwei Liebesgeschichten im Polizeimilieu (1994, Regie: Wong Kar-wai).
Klimatisierung ist in Hongkong Prestigesache
Welcher Restaurantbesitzer möchte sich schon in den Ruch bringen, ausgerechnet bei der Klimatisierung zu knausern? Da kommt man dann nassgeschwitzt in Räume, die einem schon nach einer Viertelstunde eiskalte Schauer über den Rücken jagen. Spätestens am dritten Tag ist die Erkältung da. Deshalb immer eine Strickjacke oder ein Sweatshirt mitnehmen!
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