Wer nach Japan fährt, sucht das Besondere. Er will erleben, wie eine ganze Nation im kollektiven Kirschblütenrausch versinkt, mit eigenen Augen sehen, wie die Laubfärbung Tempel und Gärten in ein prächtiges Gemälde verwandelt. Er will in heißen Quellen entspannen, frischesten Rohfisch essen, im Shinkansen mit dem pünktlichsten Zug der Welt reisen, in stilvollen Gärten die geglückte Verbindung von Architektur und Mensch empfinden, in lärmenden High-Tech-Vierteln die Zukunft bestaunen. Er wird extrem höfliche Menschen treffen und sich wundern, wie sie auf engstem Raum in stiller Harmonie miteinander auskommen.
Hier habe ich gefunden, was ich zu finden hoffte", vertraute Literaturnobelpreisträger Saul Bellow dem Gästebuch der Nobelherberge Tawara-ya in Kyoto an: „menschliches Maß, Ruhe und Schönheit".
Japan, das ist vollendete Harmonie - ganz gleich, welchem Erlebnis man sich zuwendet. Es ist eine Wonne, im Wasser einer heißen Quelle zu entspannen oder frischen rohen Fisch zu genießen. Ebenso viel Freude macht der lärmende Rausch der Elektronikviertel, wo Neuheiten gezeigt werden, die in Europa noch kaum jemand kennt. In Japan greifen Technik und Natur eben perfekt ineinander. Zum Beispiel, wenn der Shinkansen-Express mit 250 km/h am Vulkankegel des Fuji vorbeirauscht, dem vielleicht schönsten Berggipfel der Welt.
Doch ebenso schön, wie Japan ist, so kann es auch hässlich sein. Warum hat man die Küsten der vier Hauptinseln Honshu, Hokkaido, Kyushu und Shikoku so gnadenlos zubetoniert? In diesem Häusergewirr entlang der Bahnstrecken kann man kaum mehr feststellen, wo eine Stadt aufhört und die nächste beginnt. Warum ziehen sich Strom- und Telefonleitungen wie ein wirres Spinnennetz über die Straßen? Auf engstem Raum drängt sich das Leben in wild gewachsenen Großstädten, obwohl das Land doch mit 378000 km² größer ist als Deutschland. Warum sind auch die Hotelzimmer so eng und die Bäder so klein? Warum grenzen traumhafte Tempel an abstoßende Betonburgen? Die...
Antwort ist ebenso einfach wie unbefriedigend: Japaner haben gelernt, unangenehme Realitäten einfach zu übersehen. Sie verstehen es, sich an einer kleinen Blume zu erfreuen, auch wenn sie aus der Betonritze einer Hochstraße vor ihrem Fenster sprießt.
Japaner sind nett. Nur selten finden ausländische Gäste Grund, sich über eine Unhöflichkeit der Einheimischen zu beschweren. Kaum ein lautes Wort und im Normalfall keine Spur von Aggression sind zu befürchten. Die Bevölkerung benimmt sich gegenüber zahlenden Touristen immer zuvorkommend. Das heißt aber nicht unbedingt, dass sie auch überall willkommen wären.
Japan ist fremd. Auch moderne Japaner sind überzeugt, dass die Gaijin - die Ausländer - sie nie und nimmer vollkommen verstehen können. Zweifelsfrei ist hier vieles anders, als es Europäer gewohnt sind. Ein Drittel davon springt sofort ins Auge, ein weiteres lässt sich mit wachsender Erfahrung entdecken und der Rest ist fast unerklärbar. Zu den einfacheren Geheimnissen gehört die Adresse, denn Japan kommt weitgehend ohne Straßennamen aus. Sie wollen nach 5-4-13 Denenchofu, Ota-ku, Tokio? Ganz einfach: Sie suchen Hausnummer 13, im Block 4 des 5. Unterbezirks im Stadtviertel Denenchofu des Tokioter Bezirks Ota. Das Dumme daran ist nur, dass Haus Nr. 13 nicht unbedingt zwischen 12 und 14 liegt, auch nicht zwangsläufig gegenüber. Selbst altgediente Taxifahrer verzweifeln oft daran. Am besten fährt man mit einer detaillierten Wegeskizze, auf der auch die betreffende Telefonnummer stehen sollte, die der Chauffeur im Zweifel anruft.
Für den Kulturunterschied der zweiten Art braucht man Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Wollen Sie ein besseres Hotelzimmer zum selben Preis? Erwarten Sie nicht, dass die Reiseleiterin oder der Hotelrezeptionist etwas spontan zu Ihren Gunsten entscheidet. Man trägt das Anliegen bestenfalls weiter. In Japan werden selbst Details im kollektiven Konsens entschieden und fast niemals lässt sich der Entscheidungsträger ausmachen....
Noch schwieriger zu erklären sind die mentalen Unterschiede der dritten Art. Sie haben einen jungen Mann an der Straßenkreuzung nach dem Weg gefragt und werden mit souveräner Bestimmtheit in die erkennbar falsche Richtung geschickt? Er will Ihnen nichts Schlechtes antun, er möchte Sie bloß höflich und schnell los werden, weil er die Antwort auf Ihre Frage nicht weiß. Oder was ist los mit Herrn Suzuki, dem Sie bei dessen letzter Dienstreise so nett und aufwendig Ihren Betrieb gezeigt, den Sie nach Hause eingeladen und Freunden vorgestellt haben? Und nun lässt er sich in Osaka am Telefon verleugnen! Der Mann meint es nicht böse. Er hat nur die Abteilung gewechselt und ist für Sie nicht mehr zuständig. Man muss wissen: Japaner definieren viele „Freundschaften" über ein berufliches Bezugssystem.
Japan ist einzigartig. Die fernöstliche Insellage und wahrscheinlich noch mehr die lange politische Isolation des Landes haben eine fast störungsfrei gewachsene Gesellschaftsstruktur hervorgebracht, eine spürbare Nationalgeschichte und eine hoch verfeinerte Kultur. Und dennoch ist Japan multikulti. Beinahe nichts, worauf Japan heute in Kunst und Kultur mit Recht stolz ist - die komplizierten Schriftzeichen, das feine Porzellan, die edlen Lackarbeiten oder der noble Kimono -, wäre denkbar ohne fremde Einflüsse. Nicht einmal die Elektronik, denn beispielsweise das Transistorenpatent stammt aus den USA. Aber Japaner sind perfekt im Perfektionieren.
Japan ist elegant. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat eine lange Wirtschaftskrise hinter sich, doch nirgendwo sind einfache Büroangestellte so gut und teuer gekleidet wie in Tokio. Die Restaurants sind allabendlich gut gefüllt, selbst wenn aberwitzige Preise verlangt werden. Die Menschen vollbringen das Kunststück, sich um die Zukunft zu sorgen und gleichzeitig fröhlich zu leben.
Japaner lieben Mobiltelefone. Vor allem junge Japaner nutzen das Handy intensiv: indem sie Mails schreiben oder Zeitungen lesen,...
Restaurants aussuchen, Rechnungen zahlen oder einkaufen. Kein Wunder, dass jährlich gut 50 Mio. neue Geräte verkauft werden - fast halb so viel wie die gesamte Bevölkerungszahl.
Reisen in Japan ist leichter, als der 3000 km lange Archipel vermuten ließe. Ein dichtes Netz von Fluglinien und Expresszügen lässt Sie bequem zu allem Sehenswertem gelangen. Bus- und Bahnnetze reichen bis in die kleinsten Ortschaften. Das eher subtropische Klima ist meist erträglich - und am schönsten zur Kirschblüte im März/April sowie zur Laubfärbung Ende November. Das japanische Schriftsystem gibt zwar Rätsel auf, ist aber zu bewältigen. Zumindest in den Ballungszentren sind viele Hinweisschilder auf Englisch übersetzt, jüngere Japaner haben Englisch an der Schule gelernt. Im Zweifel können Sie sich durch einfaches Fingerzeigen verständlich machen, dann wird man Ihnen gerne weiterhelfen. Trauen Sie sich: Das Inselreich am anderen Ende der Welt wird auch Sie faszinieren.
Um 10000-300 v. Chr.
Jomon-Kultur. Die ersten Menschen siedeln sich an
300-710
Erste Tenno-Dynastie
710-794
Nara-Epoche. Der Buddhismus wird Staatsreligion
794-1185
Heian-Zeit. Gründung von Kyoto, Geburt der japanischen Literatur, Bildung der Samuraikaste
1477-1573
Senguko-Periode, die „Zeit der streitenden Reiche". 100 Jahre lang herrscht Bürgerkrieg im Land
1587
Die Christenverfolgung beginnt
1603
Tokugawa Ieyasu wird Shogun mit Sitz in Edo (Tokio). Der Tenno ist entmachtet. Beginn der Edo-Zeit
1641
Totale Abschottung vom Ausland
1868
Beginn der Meji-Restauration. Shogun-Dynastie und Isolation enden
1910
Japan besetzt Korea
1937
Invasion Chinas
1941
Mit dem Überfall auf Pearl Harbor beginnt der Pazifikkrieg
1945
Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, Kapitulation Japans
1947
Inkrafttreten einer demokratischer Verfassung, freie Wahlen und Parlamentsgründung
1989
Thronbesteigung von Tenno Akihito (Heisei-Ära)
1995
Erdbeben in Kobe
2002
Fußballweltmeisterschaft in Japan und Korea
2006
Geburt des Prinzen Hisato, erster männlicher Kaiserspross seit vier Dekaden
2008
G8-Gipfel in Toyako
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Viele Eintragungen über Unterhaltung, Essen, Reisen, Kultur, Wirtschaft & Gesellschaft
bigalsjlog.blogspot.com
Kritische Alltagsbeobachtungen mit weiteren interessanten Links
soldat0815.blog.de
Michael S. lebt „irgendwo zwischen Tokio und Berlin": Sehr individelle Sicht auf Japan, nicht immer ernst zu nehmen
www.podcast.de/podcast/541/Kilians_Podkost
Deutscher Podcast über Leben und Arbeiten in Tokio - Kulturelles, Banales, Witziges
www.podcastdirectory.com/podcasts/74
Abwechslungsreiche Themen in Englisch, meistens sehr aktuell aufgemischt
www.podcastdirectory.com/podcasts/299
Zweisprachiges Programm (Englisch/Japanisch)
www.podcastdirectory.com/podcasts/1377
Gelegenheit mit Japanern, die ihr Englisch verbessern wollen, ins Gespräch zu kommen
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Im Kloster das echte Tempelleben studieren
Wer in Japan Stille und Selbsterkenntnis sucht, findet sie in den geweihten Gemäuern der Shukubus auf dem Tempelberg Koya-san, 90 Bahnminuten von Osaka entfernt. Auf diesem weiträumigen Gelände in 900 m Höhe befinden sich 58 Klöster, die Tempelübernachtungen anbieten in kargen, kleinen Räumen, ausgestattet oft mit nicht viel mehr als einer Futonmatte, aber mit einer köstlichen, meist vegetarischen Abendmahlzeit und mit japanischem Frühstück. Bei Ausländern beliebt ist Rengejo-in mit 48 Gästezimmern, berühmt für seinen Tofu und den Altarraum für Meditation (auch auf Englisch). „Meditieren sollte man täglich", predigt Chefpriester Ryusho Soeda, „und zwar so lange, wie ein Räucherstäbchen zum Abbrennen braucht". Tel. 0736/56-2006 | Fax 56-4743 | Reservierung auch über Tourist-Association Koyosan Kanko Kyokai Tel. 0736/56-2616 | www.shukubo.jp/eng | €
Laut und leise: Wo die Japaner die Kirschblüte feiern
Mitte März bis Anfang April schneit es in Japan Kirschblüten (sakura = Kirschblüte). Und wenn dann auch noch der Vollmond scheint, verfällt das ganze Land in Hysterie. Was eigentlich bloß Hanami (Kirschblütenschau) heißt, bedeutet für die Japaner viel Essen und noch mehr Zechen. Die größte Party findet in Tokios Ueno-Park statt, wo sich am Wochenende bis zu 1,5 Mio. Vergnügungssüchtige austoben. Auf Tokios Prominentenfriedhof Aoyama wird neben den Gräbern die schrägste Party gefeiert - mit Karaoke bis zum Morgengrauen. Party ganz klassisch: Am Fluss Ujigawa südlich von Kyoto wird am 7. und 8. April das alte Nippon nachempfunden. Party-Geheimtipp: Am Berg Yoshino, unweit von Nara, blühen den ganzen April über mehr als 100000 Kirschbäume. Und der kleine Ort Yoshino nennt sich am 11. und 12. April „Welthauptstadt der Kirschblüte".
Beim Karaoke-Abend wird jeder zum Star
Beim Karaoke bauen Japaner Stress und Schüchternheit ab. Auch das verklemmteste Büromädchen taut auf, wenn es für sein hingehauchtes Solo von den Kollegen lautstark Applaus bekommt. Selbst wenn man die ausgewählte Playback-Melodie mit dem eingespielten Text (oft auch auf Englisch) nicht so richtig in Einklang bringt - hier wird jeder zum Star. Zum Singen mit „leerem Orchester" - was Karaoke in etwa bedeutet - geht man am besten in die mehrstöckigen Karaoke-Häuser der Kette Big Echo. In der Tokioter Ginza kostet die schalldichte Kabine 700 Yen pro Stunde/Person, eine kleine Party 5200 Yen und das Singen mit 20 Personen 9600 Yen. Zur Happy Hour (bis 18 Uhr) gilt der unlimitierte Pauschalpreis von 1200 Yen, nach Mitternacht bis morgens um 5 Uhr kann man für 2800 Yen durchsingen. Tgl. | 1-6-5 Yurakucho | Tel. 03/5251-5500
Darum nerven Japaner
Von Videokameras und dem richtigen Umgang mit Hausschuhen: Christoph Neumann gibt mit diesem anekdotenreichen Buch einen unterhaltsamen Einblick in den „ungeschminkten Wahnsinn des japanischen Alltags"
Schönheit und Trauer
Yasunari Kawabata, Japans erster Literaturnobelpreisträger, führt den Leser einfühlsam durch seine Lieblingsstadt Kyoto
Gefährliche Geliebte
Haruki Murakami, derzeit der erfolgreichste japanische Autor, seziert mit diesem Roman die Seele der Tokioter. In Deutschland wurde das Buch pornografisch genannt, was Japans Kritiker nicht verstehen können
Kirschblüten-Hanami
Regisseurin Doris Dörrie erzählt in ihrem Film vom Leben und Tod in Japan. Auch ihre früheren Arbeiten „Erleuchtung garantiert" oder „Der Fischer und seine Frau" war sie schon fasziniert von der spirituellen Kraft Nippons
Chihiros Reise ins Zauberland
Der bisher erfolgreichste japanische Film ist ein Anime: Regisseur und Manga-Zeichner Hayao Miyazaki gewann mit dieser Produktion unter anderem einen Oscar. Chihiros Reise führt ein kleines Mädchen in eine Welt der Mythen, Geister und Götter. Eine Art entfesseltes Disneyland, in dem man eines keinesfalls darf: seinen eigenen Namen vergessen
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