Auch wenn Malaysia für viele noch immer ein Land „irgendwo in Asien" ist, für dessen Lokalisierung erst einmal der Atlas zur Hand genommen werden muss, erfreut es sich doch wachsenden Interesses. Nicht nur sein typisch asiatischer Charme, die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen laden zur Entdeckungsreise ein. Die endlosen Strände vor allem an der Ostküste der Halbinsel bieten Ruhe, garantieren Sonne und faszinierende Schnorchel- und Taucherlebnisse. Der tropische Regenwald verzaubert, und das mulitkulturelle Malaysia hat mit vielfältigen kulinarischen Genüssen auch Feinschmeckern Beachtliches zu bieten.
Sanft schwebt das Flugzeug über tiefblaues bis smaragdgrünes Meer, dann über traumhafte, sattgrüne Palmenplantagen und kleine Dörfer - um auf dem hypermodernen Airport von Kuala Lumpur aufzusetzen, der Frankfurts Rhein-Main-Flughafen fast beschämend in den Schatten stellt. „Sind wir wirklich in einem Schwellenland?", fragen sich viele Touristen ungläubig.
Auf dem Weg in die Hauptstadt, entweder mit der superschnellen S-Bahn (KLIA Ekspres) oder einem komfortablen Taxi, fährt man durch den Multimedia Super Corridor, Malaysias größtes Entwicklungsprojekt, das sich bis ins Zentrum Kuala Lumpurs zieht. Auf 50 km Länge und 15 km Breite entstehen hier mehrere Trabantenstädte und Industriezentren. Malaysia soll nach den Plänen der Regierung im Jahr 2020 eine entwickelte Industrienation sein. Etwa eine halbe Stunde Autofahrt südlich von Kuala Lumpur wurde die neue Verwaltungshauptstadt Putrajaya aus dem Boden gestampft, voller Paradebeispiele moderner malaiisch-islamischer Archtiktur, ausgedehnter Grünflächen und künstlich angelegter Seen, über die sich imposante Brücken spannen. Malaysia ist eine Föderation aus 13 Bundesstaaten und drei Bundesterritorien: Kuala Lumpur, Putrajaya und die vor der Küste Borneos gelegene Insel Labuan, ein Offshore-Finanzzentrum. Das Staatsoberhaupt, ein konstitutioneller Monarch, wird alle fünf Jahre aus der Mitte von neun...
Sultanen gewählt; das weltweit einzige System dieser Art. Die Geschicke des Landes und seiner 27 Mio. Bewohner wurden aber seit 1981 von Premierminister Mahathir Mohamed bestimmt, der systematische Modernisierungen einleitete. Kritiker monieren, dass einige Großprojekte und Prestigebauten enorme Summen verschlungen haben und dass vor allem in ländlichen Gebieten Investitionen etwa im Bildungsbereich zu kurz kamen. Während Mahathirs Regierungszeit wurden die Rechte der Sultane und des Königs drastisch eingeschränkt.
2004 übergab Mahathir sein Amt an Abdullah Ahmad Badawi, der das Land seitdem weitgehend im Sinne seines Vorgängers regiert. Diesem war es zumindest gelungen, die vormals sporadisch aufflammenden Rassenunruhen im Vielvölkerstaat Malaysia einzudämmen. Das immer wieder präsentierte Bild vom harmonischen Zusammenleben der verschiedenen ethnischen Gruppen zeigt aber besonders in jüngster Zeit deutliche Risse. Spannungen sind unübersehbar. 60 Prozent der Bevölkerung sind Malaien, 30 Prozent chinesischer und rund 8 Prozent indischer Abstammung. Dazu kommen kleinere Gruppen, etwa die Kadazan und Penan auf Borneo. Sie alle leben verstreut in zwei grundverschiedenen Landesteilen: Westmalaysia liegt auf einer 750 km langen Halbinsel dicht am Äquator und beherbergt elf der 13 Bundesstaaten. Sarawak und Sabah sind die beiden Bundesstaaten auf Borneo, durch das Chinesische Meer und rund 650 km von Westmalaysia getrennt. Sie machen 60 Prozent der Landfläche Malaysias aus.
Kuala Lumpur bietet eine unglaubliche Mischung aus Altem und Neuem. Fantastische Wolkenkratzer stehen neben historischen Gebäuden. Bei einem Spaziergang durch die kleinen Seitengassen oder über einen der zahlreichen Märkte erleben Sie den Zauber des Orients. In Chinatown dringt der Duft von Räucherstäbchen aus den Tempeln, während Straßenverkäufer nebenan lautstark ihre Waren anpreisen. In stilvollen Hotels trifft man sich zum Fünf-Uhr-Tee (einem Relikt der britischen Kolonialzeit), oder man...
ersteht im klimatisierten Kaufhaus die neueste Digitalkamera - Gegensätze, die Ihnen auf Schritt und Tritt begegnen. Neben Kuala Lumpur sind auch die meisten anderen Städte des Landes einen Besuch wert, oftmals haben sie eine lange Geschichte, was sich an einer Vielzahl von historischen Bauten zeigt. Lebendig werden die Städte jedoch durch Malaysias reizende Menschen, höflich, zuvorkommend und Fremden gegenüber aufgeschlossen. Man sagt, Malaysier verfügten über 200 verschiedene Arten des Lächelns. Zumindest werden Sie davon einige Dutzend kennen lernen, und das umso schneller, wenn Sie in der Lage sind, wenigstens ein paar Begrüßungsformeln in der Landessprache Bahasa Malayu zu formulieren. Malaysier sind noch immer überrascht, wenn tatsächlich Orang Puteh, die Weißen, ein paar Worte malaiisch sprechen. Ein weiterer Punkt auf der Haben-Seite ist das Essen, in seiner großen Vielfalt kaum zu überbieten: So gibt es indische, chinesische, malaiische, europäische Küche, samt unendlich vieler Kombinationen.
Wenn Sie die Städte verlassen, werden Sie ein weiteres großes Wunder des Landes entdecken: die tropische Natur. Zwar ist Westmalaysia der am dichtesten besiedelte und am meisten entwickelte Landesteil, doch der Umkreis des Zentralgebirges, das die Halbinsel praktisch der Länge nach halbiert, beherbergt einige der schönsten Nationalparks - mit kristallklaren Flüssen und nahezu unberührten Regenwäldern. Blendend weiße Strände und kleine Fischerdörfer (kampungs) mit bunt bemalten Holzhäuschen finden sich an der Ostküste und auf den vielen vorgelagerten Inseln, deren Korallenbänke zum Tauchen einladen. Auch die Westküste hat mit den Inseln Penang und Langkawi Entsprechendes zu bieten.
Das Naturgebiet schlechthin sind jedoch die Staaten Sarawak und Sabah, die beide verhältnismäßig wenig entwickelt sind. Hier befinden sich die weitläufigsten Regenwälder des Landes, die allerdings Jahrzehnte lang unter legaler und vor allem unter illegaler Abholzung gelitten haben....
Der Lebensraum der Menschen wurde zunehmend eingeschränkt. Immer wieder liest man in der Zeitung von Blockaden auf den Straßen im Dschungel, die von aufgebrachten Dorfbewohnern errichtet wurden, um die Holzfirmen und ihre Transporter zu stoppen. Sie können die Dörfer im Rahmen geführter Touren besuchen und in einem der traditionellen Langhäuser übernachten. Eine riesige Anzahl von kleinen und kleinsten Inseln mit den schönsten Korallenriffen des Landes ist Borneo vorgelagert. Ein Erlebnis ist auch das Besteigen von Sabahs Mount Kinabalu, Südostasiens höchstem Berg, mit seinen vielen einzigartigen Pflanzen. Und Sie können einen Abstecher in das winzige Sultanat Brunei machen, einem zwischen Sarawak und Sabah eingekeilten souveränen Staat.
Malaysia: Traumland am anderen Ende der Welt - ein Ort, an dem man eigentlich bleiben möchte. Aber: Es gibt Hoffnung, denn wer Malaysia den Rücken kehrt, sagen die Malaysier, wird wiederkommen.
35000 v. Chr.
Ein 1958 in den Niah-Höhlen entdeckter Schädel beweist: In der Altsteinzeit lebten Menschen auf Borneo
Ab ca. 200 v. Chr.
Indische Händler führen die Sprache Sanskrit und die buddhistisch-hinduistische Kultur ein
1414
Melakas Herrscher Parameshwara übernimmt den Islam
1641
Holland erobert Melaka und Westmalaysia
1824
Im Londoner Vertrag überlässt Holland Großbritannien die malaiische Halbinsel
1896-1914
Auf der Halbinsel entsteht eine erste Föderation malaiischer Staaten
1941/42
Japan erobert British Malaya. Viele Malaysier werden zur Zwangsarbeit gepresst
1948-1960
Kolonialkrieg gegen die zurückkehrenden Briten, der offiziell erst 1989 mit einem Friedensvertrag zwischen Malaysia, Thailand und der Guerillaführung beendet wird
1957
Der erste Premierminister Tunku Abdul Rahman ruft die Unabhängigkeit Malayas aus. 1963 treten Singapur, Sarawak und Sabah der malaiischen Föderation bei, die seitdem Malaysia heißt. Singapur tritt zwei Jahre später aus
Auszeit in der erfrischenden Bergwelt
Seit der britischen Kolonialzeit bieten die Bergregionen Genting Highlands, Fraser's Hill, Cameron Highlands und Maxwell Hill, nördlich von Kuala Lumpur, ein Kontrastprogramm zur Hitze der Westküste. Man rekelt sich im feuchtkühlen Klima vor dem Kaminfeuer, nascht englisches Gebäck oder frische Erdbeeren. An sonnigen Tagen locken Wanderungen durch die üppige Vegetation zu Wasserfällen und Aussichtspunkten. Man kann reiten, golfen und Teeplantagen besuchen. Zwischen kolonialen Landhäusern werden emsig Apartmenthäuser und Hotels für die malaysische Mittelschicht gebaut. An Feiertagen sind die Hotels ausgebucht, obwohl die Preise sich dann verdoppeln können. Von Juli bis Dezember ist es regnerisch, neblig und kühl.
Kampung Boy
Comic, auch und vor allem für Erwachsene. Zeigt mit viel Witz typische Situationen und Menschen in Malaysia.
Feuer über dem Fluss
Abdul Samad Said schreibt psychologisch fundiert über die Zeit der japanischen Besatzung Malaysias, die Luftangriffe der Alliierten und die Not der Bewohner eines Dorfes.
Unter Perlenfischern und Piraten
Ein Junge wird an der malaiischen Küste von Piraten gefangen. Abenteuergeschichte von Alfred Hageni
Dieser Hunger nach Leben
Beatrice Saubin wurde in Malaysia wegen Drogenbesitzes zum Tod verurteilt und kam nach zehn Jahren Gefängnis frei. Tatsachenbericht
Mukshin
Der Film von Yasmin Ahmad erzählt in faszinierenden Bildern von der ersten Liebe und wurde bei der Berlinale 2007 gleich zweimal ausgezeichnet.
The Last Communist
Der Film von 2006 dokumentiert das Leben Chin Pengs, des Führers der Kommunistischen Partei Malaysias. In Malaysia auf dem Index.
The Big Durian
Im Oktober 1987 lief ein malaysischer Soldat mit seinem Gewehr Amok in Kuala Lumpur. Dokumentarfilm und Gesellschaftsskizze mit vielen Facetten.
In Langhäusern teilen die Familien vieles
Außerhalb der Städte leben viele der Einwohner Borneos zusammen mit 20 bis 30 Familien in riesigen Pfahlbauten an den Flüssen. Die äußere Veranda dient dem Trocknen von Pfefferkörnern und Kleidern. Die innere, überdachte Veranda ist Treffpunkt und Arbeitsplatz. Hier lagern auch die teuren Bootsmotoren und die von den Ahnen auf der Kopfjagd erbeuteten Schädel. Jede Familie bewohnt einen eigenen Raum. Esswaren lagern in antiken chinesischen Krügen, die seefahrende Chinesen einst gegen Dschungelprodukte eingetauscht hatten. Schulkinder verbringen die Werktage in Internaten, die weiter oben oder unten an den Flüssen liegen. Beim Besuch eines Langhauses befolgen Sie bitte die Verhaltenshinweise Ihres lokalen Führers.
Orang-Utan-Junge brauchen lange Hilfe
Auf Borneo und Sumatra leben die einzigen Primaten außerhalb Afrikas. Orang-Utan bedeutet in der Sprache der Einheimischen „Waldmensch". Orang-Utan-Mütter bekommen immer nur ein Kind, das sie fünf bis sieben Jahre lang großziehen. Wird eine Mutter von Holzfällern oder Bauern zu panischer Flucht veranlasst, lässt sie ihr Kind manchmal allein zurück. Diese Waisen müssen - so will es das Gesetz - in Auswilderungszentren gebracht werden. Dort lehren Adoptivmütter sie das Leben in der Wildnis. Doch viele Affenbabys werden nach Taiwan verkauft. Dort sind sie als Haustiere begehrt.
© Verlag Marco Polo