Der Südosten
Bewaldete Maremmenhöhen, kurvige Sträßchen, kleine Dörfer und ehrwürdige Klöster um den Monte Amiata kennzeichnen die Region ebenso wie berühmte Weinorte und die karge, geheimnisvolle Landschaft der Crete. Malerisch liegt Pienza auf einem Hügel, die historische Umgebung des Weinortes Montalcino hat für Kunst- und Naturliebhaber gleichermaßen viel zu bieten.
Abbadia San Salvatore
Knapp 20 km östlich von Arcidosso, bei Piancastagnaio trifft man auf die romanische Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters am Rand der gleichnamigen Stadt. Sehenswert ist die Krypta (11. Jh.) mit 36 Säulen, davon 24 original, mit figuren- und ornamentgeschmückten Kapitellen (tägl. 9–19 Uhr).
Abbazia di Monte Oliveto Maggiore
1400–17 wurde die Kirche des Benediktinerklosters gebaut, das Innere 1772 im Barockstil erneuert. Höhepunkt eines Besuchs ist der Kreuzgang mit 35 Fresken (Signorelli 1497–98 und Sodoma 1505–08) aus dem Leben des heiligen Benedikt, des Schutzpatrons von Europa. Alle seine Wunder werden gezeigt (im Sommer tägl. 9.15–12 und 15.15–18, im Winter bis 17 Uhr, Eintritt frei).
Arcidosso und der Parco Faunistico
Südlich von Montalcino liegt Arcidosso, ein Spaziergang durch das reizende Städtchen und hoch zur Burg der Aldobrandesca (14. Jh.) lohnt sich allemal. Am Rande des Ortes wird auf den Parco Faunistico del Monte Amiata hingewiesen. Dort gibt es botanische Wanderpfade, Mufflons, Rot- und Damwild und sogar ein Wolfsgehege. Zum Schutz von Mensch und Tier führt ein Weg mit hohen Palisaden zum Beobachtungsturm. Picknickplätze und ein uriges Restaurant sind vorhanden.
Chianciano Terme
Den Badeort südöstlich von Siena prägen moderne Flaniermeilen und Parks, schicke Bars und Cafés. Sehenswerter ist Chianciano Alto mit seinem Centro storico. Im Kurort selbst zeigt das Museo Civico Archeologico delle Acque etruskische Funde aus der Umgebung, darunter ein vollständig erhaltenes Fürstengrab.
Chiusi
Als Chamars war Chiusi eine der mächtigsten Städte des etruskischen Zwölferbundes. Zeugnisse dieser reichen Kultur aus den Gräbern der Umgebung sind im Museo Archeologico Nazionale ausgestellt (Via Porsenna 73, tägl. 9–20 Uhr, Eintritt € 4/2, bis 18 und über 65 Jahre frei). Abenteuerlich ist der Besuch (nur mit Führung) der etruskischen Stollen unterhalb der Stadt. Das Museo Civico di Chiusi besteht aus zwei Abteilungen: Im Palazzo delle Logge (Via Il Ciminia 2, hier Ticketverkauf) steht das Modell der Stadt und seiner Unterwelt, und es finden sich geologische Informationen. In der Via Baldetti 8 geht es in einen 140 m langen Stollen mit 500 etruskischen Urnen und Grabziegeln, viele mit Inschriften (Mai–Okt. Di–So Führungen 10.15, 11.30, 12.45, 15.15, 16.30 und 17.45, Nov.–April Do–So 10.10 , 11.10, 12.10, Sa und So auch 15.10, 16.10 und 17.10 Uhr, Eintritt inkl. Führung € 3/2).
Auch im Museo della Cattedrale (Piazza Duomo 1) geht es nach unten in Porsennas Labyrinth, die etruskisch/römische Wasserversorgung, im Zentrum das angebliche Grab des Etruskerkönigs Porsenna (Juni–Mitte Okt. Mo–Sa 9.30–12.45, So/Fei auch 15–18, Mitte Okt.–Mai auch 16–19.30 Uhr, Führungen 10.10, 10.50, 11.30, 12.10, 16.10, 16.50, 17.30 und 18.10 Uhr, Eintritt € 3 ab 12 Jahre).
Die Crete
Crete heißt Tonerde oder Lehm. Diese Landschaft südlich von Siena hat durch landwirtschaftliche Kniffe ihr braungraues Gesicht im Frühjahr und Sommer verloren, kleine Haine und Buschzeilen verzieren das Land. Auf abgerundeten Hügeln stehen wenige Höfe, zu denen Zypressen wie eine Parade von Zinnsoldaten hochführen – das klassische Urlaubsfoto.
Am wohlsten fühlen sich hier die Schäfer und Käsebauern, die ursprünglich aus Sardinien stammen. Kenner schwören auf Crete-Pecorino, der von Kräutern gewürzt wird, die die Schafe fressen: Wasserminze, Majoran, wildes Bohnenkraut und wilder
Radicchio, Wacholder und Wermut. Es gibt immer wieder Hinweise auf den Verkauf von Pecorino.
Montalcino/Sant' Antimo
Von den Wehrgängen (1571) der trutzigen Türme der Fortezza (14. Jh.) kann man sich einen Überblick über Montalcino und seine Weinberge verschaffen (Sommer 9–20, Winter bis 18 Uhr, Eintritt € 3,50/1,50). Kirchenkunst vermittelt das Museo Civico e Diocesano mit einer wundervollen Madonnensammlung. Weinliebhaber haben die Wahl zwischen dem teuren, rubinroten »Brunello di Montalcino« und dem etwas helleren, erheblich billigeren »Rosso di Montalcino«.
10 km südlich der Stadt liegt die Abbazia di Sant' Antimo. In der dreischiffigen Benediktinerkirche (12. Jh.) begeistern die Alabasterfenster, die schönen Kapitelle und die restaurierte, polychrome »Madonna di Sant'Antimo mit Kind«. Die früher das Portal bewachenden zwei Löwen wurden zu ihrem Schutz nach innen versetzt (Mo–Sa 10.15–12.30 und 15–18.30, So/Fei 9.15–10.45 und 15–18 Uhr).
Montepulciano
Repräsentative Renaissancepaläste prägen das Bild einer der schönsten Städte der Toskana. Freunde eines guten Tropfens freuen sich auf den »Vino Nobile di Montepulciano«. Der Bummel beginnt an der Porta al Prato, einem Teil der Befestigungsanlage mit Blick über die Altstadt. Den Corso abwärts geht es zur prachtvollen Piazza Grande. Den Aufbau der Stadt muss man vom Rathausturm aus betrachten (tägl. 10–18 Uhr, Eintritt € 1,60 ab 12 Jahre). Man entdeckt das Museo Civico mit Della-Robbia-Majoliken und einer Gemäldesammlung des 13. bis 18. Jh., auf der rechten Seite den Dom (1594 begonnen) mit zwei Meisterwerken: im Chor das farbenfreudige Triptychon »Mariä Himmelfahrt« (Taddeo di Bartolo, Anfang 15. Jh.) und am Eingang ganz links der Sarkophag des Erzbischofs Aragazzi von Michelozzo.
Nordwestlich der Piazza Grande durch die Porta Grassi führt die Via di Biagio abwärts zu einem architektonischen Schmuckstück: zur Kirche San Biagio, 1518 von Antonio da Sangallo in reinster Renaissance begonnen (tägl. 9–18.30 Uhr).
Pienza
1458 wurde am Fuße der heutigen Stadt Papst Pius II. geboren. Er zwang Adel und reiche Händler, Geld für eine neue Stadt zu spenden, für eine Bischofsresidenz und eine Musterstadt der Renaissance. Der beauftragte Architekt Bernardo Rossellino schaffte es, auf kleinstem Raum einen würdigen Platz mit Dom, Papstpalast und Bischofspalast zu bauen. Die Piazza Pio II wird an ihrem Ende vom Dom abgeschlossen, rechts steht der Palazzo Piccolomini, links der Bischofspalast. Der Trick: Die Fronten der seitlichen Paläste gehen nach hinten auseinander, der Platz bildet also ein rückseitig breiteres Trapez. Dadurch wird dem Auge Breite vorgetäuscht. Ein anderer Kunstgriff: Die Hauptgasse, nach dem Baukünstler Corso Il Rossellino genannt, hat an beiden Seiten als Abschluss ein Stadttor. Jedoch kann der Betrachter durch die Krümmung der Gasse von keinem Punkt aus beide Tore gleichzeitig sehen und bekommt so den Eindruck einer stattlichen Papststadt vermittelt.
Pitigliano
Die Stadt wurde abenteuerlich auf einen Tuff-Felsen gebaut, auf drei Seiten von Schluchten umgeben. In den etruskischen »Kellern« der gewaltigen Klippe reift heute der süffige »Bianco di Pitigliano«. Wer Spuren der Etrusker sucht, findet im Museo Civico Archeologico in der Fortezza Orsini eine gute Übersicht. In den Gassen des historischen jüdischen Ghettos (15. Jh.) ist die frühere Kultstätte zu besichtigen.
San Quirico di Sorano/Vitozza
Im östlichsten Zipfel der Toskana liegt San Quirico, im Vorort Vitozza beginnt der ausgeschilderte Waldweg Insediamento Rupestre di Vitozza, lange Zeit von Etruskern und Römern bewohnt. Im Mittelalter bauten die Herrschaften der Toskana Wohnungen und Burgen in den Fels, viele Ruinen stehen heute noch (tägl. von Sonnenauf- bis -untergang, Eintritt € 2 ab 14 Jahre, Tickets in beiden Bars).
Sorano
Bewacht wird der mittelalterliche Kern Soranos von der Fortezza Orsini (1552), Militärarchitektur der Renaissance. Die Besichtigung der abenteuerlichen, mehrstöckigen Verteidigungsanlagen mit raffinierten Kommunikationsschächten gehört zum Besuch des Museo Comunale. Die Collegiata di San Nicola di Bari (12. Jh.) birgt ein Travertin-Taufbecken von 1563 und in der Cappella della Sindone ein beeindruckendes Kruzifix aus dem 17. Jh. (Feb.–Dez. tägl. 10–18 Uhr).
Sovana
Die Hauptstraße des renovierten Städtchens führt von der Ruine der Rocca Aldobrandesca über die kleine Piazza Maggiore mit dem Palazzo Pretorio und der Kirche Santa Maria über zwei Gassen bis zur Kathedrale. In der Kirche Santa Maria sind Fresken der Sieneser Schule (15. Jh.) und ein Ziborium (Altarbaldachin) aus Travertin (8./9. Jh.) zu finden. Am schlichten Dom San Pietro (11. Jh.) ist das Portal in lombardischem Stil mit geometrischen und figuralen Motiven sehenswert. Öffnungszeiten im Sommer tägl. 10–19, im Winter 11–17 Uhr.
Die wichtigste Grabstätte im Tal ist die begehbare Tomba Ildebranda (3. Jh. v. Chr.), ein Tempelgrab im hellenistischen Stil, Kapitelle der Säulen mit etwas verwitterten Menschenköpfen, Voluten und Akanthusblättern verziert. Eindrucksvoll ist ein Spaziergang durch die in den Tuff geschlagenen Hohlwege. Gegenüber dem Parkplatz liegt die Tomba della Sirena mit schön gestalteter Fassade.
Sammelticket »Etruscan Card«
Die »Etruscan Card« gilt für die Città del Tufo mit Sovana (Tomba Ildebranda und Tomba della Sirena),
Sorano (Fortezza Orsini mit Museo sowie Masso Leopoldino), San Quirico/Vitozza (Insediamento Rupestre) und Necropoli di San Rocco. Preis € 7/3,50.
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