Malta - Was für ein Reiseziel!
Entdecken Sie...
Die nur 316 Quadratkilometer kleine Inselgruppe scheint wie ein letzter europäischer Brückenkopf zwischen Sizilien und Tunesien im Mittelmeer verankert. Gerade diese Lage bestimmte über die Jahrtausende das wechselhafte Schicksal der Inseln Malta, Gozo und Comino, wie sie noch heute ihren besonderen Reiz ausmacht. Wer immer im Lauf der Geschichte Handel im Mittelmeer trieb oder die Region politisch beherrschen wollte, strebte nach dem Besitz der Inseln. Und wer immer sie besaß, erfreute sich des Schutzes ihrer zum großen Teil steil aufragenden Küsten. Hinter den Klippen erblühte hier bereits rund 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung eine Kultur, die Megalith-Tempel von einzigartiger Schönheit hinterlassen hat. Auch spätere Eroberer und Beherrscher, allen voran der Johanniterorden, geizten nicht mit kulturellen Hinterlassenschaften, so dass Malta sich zu einem wahren Schatzkästchen entwickelte. Neben dem vielfältigen Kulturerbe ist es die mediterrane Lage, das angenehme Klima und kristallklares Wasser, was Besucher lockt – und sei es, um das, was die letzten Besatzer den Inseln vermachten, die englische Sprache, unter unbritisch blauem Himmel zu erlernen.
Indes darf man eine abwechslungsreiche Landschaftsszenerie auf Malta und den kleineren Inseln nicht erwarten. Wo in der Frühgeschichte wahrscheinlich üppige Wälder rauschten, wachsen heute mehr Kirchenkuppeln als Bäume in den Himmel. Den Samen zur tief verwurzelten Gläubigkeit der Inselbewohner legte der Apostel Paulus, den es auf einer seiner Missionsreisen hierher verschlug. Bis heute prägt der Katholizismus das Leben der Menschen und setzt mit farbenfroh zelebrierten Festen Glanzlichter.
In den Apostelbriefen rühmte Paulus besonders die Freundlichkeit der Bewohner des Archipels, was keine Glaubensfrage, sondern für jeden Besucher erlebbare Tatsache ist. Maltesische Gastfreundschaft wurde – weit vor Paulus – auch dem sagenhaften griechischen Helden Odysseus zuteil. Sieben Jahre soll er auf Gozo geweilt haben. Auch wenn man die Länge des Aufenthaltes den erotischen Reizen der Nymphe Calypso, die ihn beherbergte, zuschreiben möchte, so wird sie ihn gewiss auch mit anderen Mitteln zu binden gewusst haben. Mit ihrer Kochkunst vielleicht, die auf Malta noch heute mit aromatischen Köstlichkeiten gepflegt wird, und ganz sicher mit ihrer freundlich verbindlichen Art. Darauf kann auch der Urlauber zählen, so dass ihm die Inseln für seine Verweildauer sein werden, was die Phönizier in ihnen sahen: ein angenehmer Zufluchtsort, ein Malet. Willkommen auf Malet!
Was die Menschen bewogen haben mag, das titanische Werk des ersten kleeblattförmigen Tempelbaus zu beginnen, lässt sich nicht klären. Dass sie sich aber um etwa 3600 v. Chr. an die Errichtung des Riesentempels Ggantija auf Gozo machten und damit das Jahrtausend der maltesischen Tempelkultur einläuteten, ist Tatsache. Keiner der Nachfolgebauten erreichte die Ausmaße dieses teilweise aus Korallenkalk gestalteten Baus, dessen Längsachse 27 m misst. Die Frontseite des Tempels ist noch 6 m hoch, wobei sechs Reihen roher Blöcke auf einen Sockel unbehauener Riesenklötze geschichtet wurden. Während die Außenmauer also eine megalithisch-zyklopische Bauweise aufweist, zeigt das nach Osten geöffnete Eingangsportal aus sauber gehauenen Platten und die Gestaltung der Innenräume aus Globigerinenkalk hervorragende handwerkliche Arbeit. Auf dem inneren Mauerwerk fand man rot gefärbte Stuckschichten. In den hinteren Apsiden sind Altäre eingebaut und die obersten Steinreihen deuten auf den Ansatz von Kuppeln, da sie leicht vorkragen. Im Tempelbereich wurden zwei fast lebensgröße Köpfe gefunden. Dem zuerst errichteten größeren Tempel wurde später ein kleinerer zugesellt, der sich bautechnisch kaum vom ersten unterscheidet, aber darauf verweist, dass das gesamte Areal, mit mindestens noch drei weiteren kleineren Heiligtümern, eine Art heiliger Bereich war.
Wer nach Ägypten reist, möchte normalerweise die Pyramiden sehen. Bei Touren durch das südliche England steht ein Besuch des neusteinzeitlichen Monuments von Stonehenge auf dem Programm. Griechenland ohne Tempelbesichtigung wäre für jeden Touristen völlig undenkbar. Ganz anders die Situation bei Reisen nach Malta. Die meisten erfahren erst während ihrer Reisevorbereitungen von der Existenz der Megalith-Tempel auf dem maltesischen Archipel, die sie, gerade weil man ja nie von ihnen hörte, für relativ unbedeutend halten. Am Ende, so ist vielleicht die Vermutung vieler, ist alles nur eine PR-Maßnahme der Malteser und die Tempel nicht mehr als ein Haufen alter Steine, auf deren Besichtigung getrost verzichtet werden kann. Dem ist nicht so.
Die Gründe für die langjährige Unterschätzung dieses maltesischen Kulturerbes sind vielfältig. Lange tat sich die Archäologie schwer, die Tempelanlagen einzuordnen, handelte es sich doch um Kultanlagen, für die andernorts Vorbilder fehlen und die ohne Nachfolge blieben. Nach ihrer Wiederentdeckung im 19. Jh. hielt man sie zunächst für phönizischen Ursprungs oder bezeichnete sie als Druidentempel. Dieser Begriff geht auf den deutschen Maler von Brocktorff zurück, dessen Verdienst es ist, den Zustand einiger Anlagen kurz nach ihrer Freilegung auf 21 Aquarellen festgehalten zu haben.
Erst die systematischen und unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführten Grabungen des 20. Jh. förderten klare Erkenntnisse zutage. Auf dem kleinen maltesischen Archipel wurden mindestens 20 Heiligtümern nachgewiesen, deren älteste mit Hilfe modernster Methoden auf das 4. vorchristliche Jahrtausend datiert werden konnten, während die jüngsten um etwa 2500 v.Chr. entstanden. Das heißt, als die Ägypter sich anschickten, riesige Steinquader zu Pyramiden zu türmen, feierten die Bewohner des maltesischen Archipels bereits seit mehr als 1000 Jahren ihre kultischen Riten zwischen den Mauern groß angelegter Tempelanlagen. Dasselbe gilt auch für Stonehenge. Als der Kultplatz angelegt wurde, gab es den maltesischen Kult bereits ein Jahrtausend lang. Und als die Griechen ihren Göttern in Tempelanlagen zu huldigen begannen, war die Tempelkultur auf Malta schon lange verschwunden.
Problematisch bleibt indes bis in unsere Tage die Deutung des religiösen Hintergrunds, der als Motivation für die schier unglaubliche Kraftanstrengung diente, die vor fünf- bis sechstausend Jahren zur Errichtung dieser gigantischen Anlagen nötig war. Wenn man – wie die Archäologen – davon ausgeht, dass zu Zeiten des Tempelbaus etwa 10000 Menschen auf den Inseln lebten, von denen zudem nur geringe Siedlungsspuren und einfachste Steinwerkzeuge gefunden wurden, so erscheint der Bau der Tempelanlagen schlichtweg unglaublich. So unglaublich, dass manch einer schon Außerirdische als Urheber der Tempel vermutet hat ... Tatsächlich ist und bleibt die vor Tausenden von Jahren erbrachte Leistung gigantisch: Bis zu 50 Tonnen schwere Blöcke wurden bewegt und passgenau zusammengefügt, steinerne Altäre mit Rank- und Spiralornamenten versehen, Votivfiguren von üppiger, meist weiblicher Körperlichkeit, und auch Kolossalstatuen angefertigt.
Gerade das Vorherrschen üppiger Frauengestalten bei den figürlichen Darstellungen führte in der Vergangenheit zu nachgerade ideologischen Auseinandersetzungen. Die Frauenbewegung reklamierte den steinzeitlichen Kult auf Malta als Beweis für die Existenz matriarchalischer Gesellschaften in der Frühzeit, die patriarchalisch dominierte Wissenschaft hingegen lehnte derartige Deutungsversuche strikt ab. Inzwischen ist man sich darin einig, dass in den Tempelanlagen auf Malta die Magna Mater, die Große Mutter, verehrt wurde. Ihrem Schoß entspringt alles Leben und in ihn kehrt es zurück, um neu geboren zu werden. Neben dieser Muttergottheit verehrte man aber zweifellos auch das männliche Prinzip in Form phallischer Steinsäulen, Sinnbilder männlicher Zeugungskraft.
Eine direkte Beeinflussung durch oder auf vergleichbare religiöse Vorstellungen, die sowohl in anderen Mittelmeerländern als auch auf entlegenen Inseln in Polarkreisnähe existierten, lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen. Einige Forscher gehen davon aus, dass die revolutionären Veränderungen in der Jungsteinzeit überall ähnliche religiöse Haltungen provozierten. Durch sesshafte Lebensweise und die Schaffung einer wirtschaftlichen Basis mittels Ackerbau und Viehzucht gewann die Auseinandersetzung mit dem Leben in seiner Endlichkeit eine neue Dimension. Diese nahm in der Form des aufgerichteten Steins Gestalt an, der als Träger göttlicher Kräfte zum Symbol und Garanten von Dauer wurde. Werden, Vergehen und Wiederkehr des Lebens wurden als existentielle Urprinzipien erfahren, als göttliche Urmuster. Da sich zudem in dieser Zeit stabile Gemeinschaften bildeten, war die Voraussetzung gegeben für die Schaffung großer, steinerner Kultstätten, in denen dem Göttlichen gehuldigt wurde.
Der Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der frühgeschichtlichen Megalith-Kultur auf Malta lässt sich hier nur anreißen. Vieles bedarf noch weiterer Erforschung. Zweifelsfrei ist, dass die großartigen Tempelruinen des maltesischen Archipels die ältesten der Welt sind und als solche – zumal in ihrer Fülle – ein einzigartiges Kulturerbe der gesamten Menschheit.
Besuchern offen stehen die Anlagen Tarxien (inmitten der Orte Senglea und Paola), Hal Saflieni Hypogäum (Paola), Hagar Qim und Mnajdra (auf dem Plateau über der steil abfallenden Südwestküste nahe dem Ort Qrendi) und Ggantija (auf Gozo). Der Besuch von Tá Hagrat (bei Mgarr) und Skorba (bei Zebbieh) ist nach Anmeldung nur für besonders Interessierte zu empfehlen (Tá Hagrat Di 9.30–11 Uhr, Skorba Di 11.30–13 Uhr, Eintritt € 5/3,50/2,50). In den beiden Tempeln sind nur jeweils 15 Besucher zugelassen.
Das architektonische Grundprinzip sowie die kultischen Merkmale aller Anlagen, die etwa zwischen 3600 und 2500 v. Chr. entstanden, gleichen sich im Wesentlichen. Vorherrschend ist die gebogene Linie, die sowohl den Außenbau (eine hufeisenförmige, kompakte Hülle aus riesigen Steinquadern) wie den Innenbau (ein Gebilde aus in der Regel fünf Raumbuchten, die sich um eine Mittelachse gruppieren) bestimmt. Der Hohlraum zwischen Außen- und Innenbau wurde mit kleineren Steinen und Erdreich gefüllt, was entscheidend zur Stabilisierung beitrug. Vermutlich stand der Vorplatz der gesamten Gemeinde offen. Hier vollzogen die Menschen den Kult. Bohrlöcher im Stein, vorgesehen für das Anbinden der Opfertiere, und Deliberationslöcher im Boden als Auffangbehälter für Blut- oder Trankopfer deuten darauf hin. Auch die allenthalben vorhandenen »Orakellöcher« lassen sich so erklären: Sie dienten der Kommunikation zwischen der Gemeinde außen und den Priestern, die der Gottheit nahe standen, im Innenraum. Ein Trilith-Tor (drei Steine) in der Fassade der Tempel führte in diesen inneren Bereich.
In allen Kultanlagen wurden Rank- und Spiralmotive als ornamentale und figürliche Dekoration gefunden, die, charakteristisch für einen Fruchtbarkeitskult, auf pflanzliches Wachstum verweisen. Durchgehend ist eine Vorliebe für Lochmuster im Stein zu beobachten. Die Deutungen reichen von der Vermutung, diese Dekorationen würden die Schwere des Steins aufheben, bis zum Vergleich mit Wildbienenwaben. Dabei wird darauf verwiesen, dass Bienen seit alters her als heilig, als Boten des Göttlichen betrachtet wurden. Auch die farbliche Gestaltung der Tempelinnenräume war weitestgehend identisch. In den Dekorationslöchern fanden sich weiße Farbspuren, auf den Wänden ockerrote.
Aber die einzelnen Kultstätten zeigen auch jeweils spezifische Merkmale, weshalb sie hier – in der Reihenfolge ihrer Entstehung – kurz beschrieben werden.
Von ca. 3200 v. Chr. an wurde das unterirdische Gegenbild der Tempelanlagen, die Nekropole von Hal Saflieni, Hypogäum genannt, systematisch ausgebaut. Neueste Untersuchungen belegen sogar, dass diese Begräbnisstätte bereits vor 4000 v. Chr. genutzt wurde. Etwa 7000 Menschen wurden in diesem dreistöckigen Labyrinth, dessen oberstes Stockwerk das älteste ist, bestattet. Doch die Gestaltung des Heiligtums legt nahe, dass dies nicht nur ein Ort der Totenandacht, sondern auch vielfältiger kultischer Riten war. Vielleicht diente es ebenfalls zu Initiationsriten, zur Kontaktaufnahme mit den Verstorbenen, als Ort kultischer Versenkung in rauschhaften Schlaf und als Orakelstätte.
Die gefundenen Votivgaben weisen darauf hin, dass die Menschen hier auch um Heilung von Krankheiten baten. Vor allem das mittlere Stockwerk, zu dem trilithische Portale nach dem Vorbild der oberirdischen Tempel führen, scheint ganz im Dienst des Kults gestanden zu haben. Die Räume sind rund, die Decken gewölbt und die Linien mit größter Präzision gezogen. Die rote Bemalung lässt zudem den sorgfältig behauenen und geglätteten Fels fast wie organisches Material erscheinen. Da liegt der Gedanke nahe, dass der Abstieg hierher als Eintritt in den Leib der großen Erdmutter empfunden wurde. Zudem sind die Decken einiger Säle mit vielfältiger Ornamentik versehen: Spiralen, Ranken, Scheiben, Wabenformen und Augenspiralen.
Die Rückwand des Sanktuariums im Herzen der Nekropole imitiert eine Tempelfassade mit Thilith-Tor, das Sanktuarium die Apsiden der Tempel. Und wie in den Tempeln wurden wohl auch hier vor der Fassade Opfer gebracht, was zwei in den Boden eingelassene Löcher, die durch Steinstöpsel verschlossen werden konnten, nahe legen. Die Räume des untersten Stocks blieben unfertig – wahrscheinlich weil die Zeit der Tempelkultur zu Ende ging. Gewiss ist indes, dass dieses in der Erde verborgene Heiligtum, mehr als alle anderen Kultstätten, sein ursprüngliches, vor fünf- bis sechstausend Jahren gestaltetes Aussehen bewahrt hat.
Erst 1905 wurde es durch Zufall entdeckt, als man bei Bauarbeiten darauf stieß. Seine Ausgrabung und Erhaltung verdankt es dem archäologischen Feingefühl und der Energie des damaligen Direktors des Malta-Museums, Themistokles Zammit. Die Möglichkeit, dass weitere Nekropolen im Schoß der Erde des Archipels schlummern, wird von den Forschern nicht ausgeschlossen.
Die Anfänge der Kultstätte von Mnajdra reichen bis in die zweite Hälfte des 4. vorchristlichen Jahrtausends zurück. Von einem ersten kleinen, kleeblattförmigen Heiligtum blieben jedoch nur geringe Reste. Ihm wurde ab ca. 3000 v.Chr. ein Tempel zur Seite gestellt, der im Grundriss etwa dem großen Ggantija-Tempel entsprach. Später ergänzte man die Anlage durch einen dritten Tempel in der Mitte.
Der bedeutendste Bau scheint indes der zu sein, der am nächsten an der steil zum Meer abfallenden Küstenklippe steht. Besonders auffallend sind hier die mit Lochornamenten versehenen Kulteinrichtungen und die deutlichen Hinweise auf das Vorhandensein einer Art Orakelkammer. Eine Lücke im äußeren Mauerwerk wird als Sprachrohr ins Innere gesehen, was auch für eine Mauerlücke in einer weiteren Kammer gilt, die nur von außen zu betreten war und sich nicht zur Orakelkammer öffnet. Die steinzeitlichen Erbauer wählten einen besonders geeigneten Standort für das Bauwerk. Auf kargem Fels vor dem grenzenlosen Hintergrund von Meer und Himmel erscheint die Lage des Tempel geradezu mystisch.
In Sichtweite von Mnajdra thront etwas höher am Hang das zwischen 3000 und 2500 v. Chr. erbaute Heiligtum Hagar Qim, was sich mit »Steine des Gebets« übersetzen lässt. Wegen seines exzellenten Erhaltungszustandes hinterlässt es beim Besucher meist den nachhaltigsten Eindruck von allen Megalith-Tempeln. Auf dem großflächig gepflasterten Vorplatz ragt die 4 m hohe Fassade aus honiggelbem Globigerinenkalkstein auf, durchbrochen durch das tiefe, von mächtigen Steinquadern gerahmte Tor. Am Fuß der Mauer verläuft, wie auch bei anderen Anlagen üblich, eine steinerne Bank. Während die Steine der Umfassungsmauer meerseitig stark verwitterten, blieben sie zur Landseite gut erhalten. Einer der Kolosse ist 7 m lang und 3 m hoch. Über 4 m hoch ragt ein weiterer Stein der Außenwand auf, der von einigen Forschern als phallisches Symbol gedeutet wird.
Im Innern erregen die erhaltenen Altäre mit teilweise sehr schönen Reliefarbeiten Aufmerksamkeit. Man fand eine Reihe von Statuetten, darunter die so genannte »Venus von Malta«, die man im Archäologischen Museum in Valletta bewundern kann. Auch hier scheint es einen Orakelraum gegeben zu haben, von dem ein Sprachrohr in eine dem Gläubigen verborgene Zelle führte. Heute noch in Gebrauch sind mehrere riesige Zisternen, die zwischen Mnajdra und Hagar Qim aus dem Fels geschlagen wurden und einst zur Wasserversorgung beider Anlagen dienten.
Auf den ersten Blick weniger eindrucksvoll, für die Wissenschaft jedoch von allergrößter Bedeutung ist die Tempelanlage von Tarxien. Das Bild, das sich dem Laien bietet, sind großenteils Mauerreste, die kaum ein Raumgefühl entstehen lassen und zudem durch die städtische Bebauung der Umgebung in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Und dennoch erkannten die Archäologen in den vier zwischen 2700 und 2000 v. Chr. erbauten Tempeln, die sich hier zu einem großen Heiligtum fügten, den Höhepunkt der maltesischen Tempelkultur, eine Tempelstadt, die mit großer Wahrscheinlichkeit spirituelles und wirtschaftliches Zentrum der Insel gleichermaßen war.
Einen Eindruck vom Aussehen der Tempel gewinnt man heute allenfalls anhand eines hier gefundenen Kalksteinmodells von 33 cm Höhe, das die Fassade eines Heiligtums darstellt. So sind es die (im Archäologischen Museum zu sehenden) diversen Fundstücke, die man hier ausgrub, die wesentlich zur Erhellung der steinzeitlichen Kultur auf Malta beitrugen. Dazu gehören die (leider nur bruchstückhaft erhaltene) Kolossalstatue der Magna Mater, der großen Muttergottheit, Blöcke mit im Hochrelief dargestellten Buckelrindern und anderen Opfertieren, mit fein gearbeiteten Reliefs geschmückte Altäre, aber auch eine Reihe großer Steinkugeln, die Hinweise auf die Transportmethoden geben. Auf diesen Kugeln bewegte man die Tonnen schweren Megalithe, die dann mit Hilfe hölzerner Hebel aufgerichtet wurden. Daneben fand man auch Spuren einer Brandkatastrophe im Mitteltempel, wie Hinweise auf die absolute Macht einer Theokratie, eines selbstherrlichen Priestertums, das den Kontakt zu den Menschen zu verlieren begann.
Ob derartige Entwicklungen das Ende der Tempelkultur zwischen 2500 und 2000 v. Chr. herbeiführten, lässt sich jedoch nicht mit Bestimmtheit sagen. Vielfach wird auch die Vermutung geäußert, furchtbare Epidemien hätten innerhalb weniger Generationen die gesamte Bevölkerung hingerafft. Wahrscheinlicher scheint allerdings, dass die Inseln infolge intensiver Bewirtschaftung verkarsteten und so die ständig wachsende Bevölkerung nicht mehr ernähren konnten. Mit dem Wegfall der Lebensgrundlage schwand dann auch der Kult, der auf seinem Höhepunkt eine auf der Welt einmalige Blüte erreichte.
reisemeister-Redaktion rund ums Reiseziel.
Mit Facebook anmelden
