Schären und Inseln vor der Küste, die von Gletschern, Gebirgen und Hochebenen eingerahmten Fjorde und die weiten Waldlandschaften im Osten machen Norwegen zu einem Paradies für Naturliebhaber. Vor dem zweiten EU-Nein 1994 kam der Begriff „Andersland" auf. Die Lage am Nordrand Europas, die Extreme in Natur und Klima, die in uralten Traditionen verhaftete Kultur und die eher verschlossenen, doch gastfreundlichen Einwohner begründen diesen Begriff jenseits der politischen Diskussion. Urlauber wissen es zu schätzen, dass die Uhren in Norwegen etwas anders gehen.
Eine Mittsommernacht irgendwo an der Küste weit nördlich des Polarkreises: weißer Sand, blaues Meer, blank gewaschene Felsen und die Sonne, die sich am Horizont langsam auf die Wasseroberfläche zubewegt, um wenige Minuten später wieder aufzusteigen. Selten sind die Nächte, in denen sich weder Wolken noch Nebel oder Wind in das vollkommene Naturerlebnis drängen. In den Häusern in Strandnähe wohnen Menschen, die ihr Land auch anders kennen: Mit massiven Eisenketten haben sie den Dachstuhl im Erdboden verankert, denn mit der Natur und ihren Launen ist nicht zu spaßen. Auch nach einer milden Mittsommernacht kann Wind aufkommen, kann plötzlicher Nebel die Boote in die Häfen zurückjagen. Natürlich gibt es im Winter wunderschönes Nordlicht - aber auch Orkane und eisigen Regen.
In Norwegen, so scheint's, gehen die Uhren anders. Das hat vielleicht mit der Lage und besonderen Topografie des Landes zu tun, ganz sicher aber mit dem Nationalstolz der Einwohner. Sie haben sich zweimal gegen die EU entschieden, selbst die Unterzeichnung des Vertrages über den gemeinsamen Binnenmarkt stieß bei der Bevölkerung auf große Widerstände. Der Grund dafür könnten die Reichtümer sein, die sich auf dem Kontinentalsockel vor Norwegens Küste unter dem Meeresboden verbergen. Jedes Jahr verkauft Norwegen Erdöl und Erdgas für rund 55 Mrd. Euro. Die Norweger wissen von ihrem Glück, wissen, dass das schwarze Gold ihre Löhne sichert und...
die Staatskassen klingeln lässt. Richtig stolz aber sind sie auf das, was ihr Land zwischen Skagerrak und Nordkap zu bieten hat.
Der Dichter und Sprachforscher Ivar Aasen schrieb Mitte des 19. Jhs. das Gedicht „Der Norweger". Als Lied wird es schon in der Grundschule gelehrt und am 17. Mai, dem Nationalfeiertag, gesungen: „Zwischen Hügeln und Felsen draußen am Meer hat der Norweger seine Heimat gefunden, wo er selbst seine Grundstücke ausgegraben und auch selbst seine Häuser hat gebaut." Dem harten Klima und der extremen Topografie getrotzt und das Land nutzbar gemacht zu haben, erfüllt die Norweger mit Stolz. Ihr Verhältnis zur Natur ist von tiefstem Respekt geprägt. Sie gehen sonntags på tur, also durch den Wald oder auf den nächsten Gipfel, gehen angeln, Beeren pflücken oder Pilze sammeln. Zu den vielen Veranstaltungen am 17. Mai gehört der Freilichtgottesdienst auf dem Hardangerjøkulen - bis zu 3000 Menschen wandern auf ihren Skiern auf den 1800 m hohen Gletscher, um daran teilzunehmen. So wird die Natur zum Tempel.
Die landschaftliche Schönheit Norwegens offenbart sich bald hinter dem dicht besiedelten Speckgürtel an der Küste Südnorwegens. Im Gebiet bis Trondheim liegen neun der zehn größten Städte des Landes. Allein im Großraum Oslo sind gut eine Million der rund 4,7 Mio. Einwohner zu Hause, während in den drei nördlichen Verwaltungsbezirken (Fylke) nur gut zehn Prozent der Bevölkerung wohnen. Das Königreich Norwegen besteht aus 19 Fylke und 435 Kommunen. Die kleinste ist die Insel Utsira nordwestlich von Stavanger mit 256 Einwohnern auf 6 km². In Kautokeino in der Finnmark teilen sich rund 3000 Einwohner 9704 km² - eine gut zehnmal größere Fläche als Berlin. Da nur gut drei Prozent Norwegens landwirtschaftlich genutzt werden, bleibt viel Platz für Freizeitaktivitäten. Insgesamt ist Norwegen ohne die arktischen Inselgruppen Svalbard und Jan Mayen 323364 km² groß, die Einwohnerdichte liegt bei knapp vierzehn Menschen pro Quadratkilometer.
Die...
Regierung wird vom Parlament (Storting) gewählt, dessen 165 Abgeordnete alle vier Jahre gewählt werden. Die sieben im Storting vertretenen Parteien unterscheiden sich in ihren Programmen nicht sonderlich. Nach vielen Jahren mit Minderheitsregierungen bilden die Arbeiterpartei (AP), die Sozialistische Linkspartei (SV) und die in den ländlichen Gebieten starke Zentrumspartei seit 2005 eine Mehrheitskoalition. Größte Oppositionspartei ist die populistische Fortschrittspartei. Sie will zahlreiche Subventionen - u. a. für die Landwirtschaft - abschaffen, staatliche Aufgaben privatisieren und weitaus mehr Mittel aus dem staatlichen Erdölfonds für Straßenbau, Gesundheitswesen, öffentliche Ordnung und Militär aufwenden. Sie träumt von Norwegen als „Kuwait des Nordens", in dem es keine Steuern gibt und weniger gearbeitet wird. Ebenfalls im rechten Parteienspektrum befindet sich Høyre. Als traditionsreiche Partei sucht sie die Nähe zu den Christdemokraten und der bürgerlichen Venstre. Diese Parteien halten wie die Dreierkoalition am Sozialstaat, an einer starken Distriktspolitik und einer behutsameren Verwaltung der Reichtümer des Landes fest.
Seit Jahren ist Norwegen laut UNDP - dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen - weltweit das „lebenswerteste" Land. Faktoren wie Lebenserwartung, Bildungsniveau und Durchschnittseinkommen zeigen, dass es sich im Land der Mitternachtssonne gut leben lässt. Trotzdem wollen immer mehr Norweger einen größeren Anteil aus dem staatlichen Spartopf nutzen, um Lebensmittel, Benzin und Alkohol billiger zu machen und Renten wie Löhne zu erhöhen. Eine andere Herausforderung des 21. Jhs. ist das Verhältnis zwischen Stadt und Land. Vier von fünf Norwegern wohnen in Städten oder größeren Orten. Die Städte werden attraktiver, weil es dort bessere Arbeits-, Freizeit- und Kulturangebote gibt. In den kleineren Orten in Nordnorwegen und auf den Inseln schrumpfen die Einwohnerzahlen trotz massiver Steuererleichterungen, Arbeitsplätze und...
Angebote verschwinden. Einzige Hoffnung ist der tief verwurzelte Stolz der Norweger auf ihre Heimat und ihre Traditionen. Die Menschen wollen nicht loslassen, was die Natur ihnen gegeben hat und was sie selbst geschaffen haben. Glücklicherweise, denn die Begegnung mit der Vielfalt und den Gegensätzen dieses Landes wäre ohne die Menschen nicht möglich. Sie nehmen sich Zeit - Zeit zum Erleben, zum Genießen und zum Gespräch. Trubel und Hektik gehören in die Großstadt. Und davon, das sagen selbst die Norweger, gibt's im Land bestenfalls eine.
Norwegen hält vor allem eine große Vielfalt an Landschaften voller Überraschungen bereit. In riesigen Wäldern verbergen sich fischreiche Seen und Flüsse, Hochebenen werden vom ewigen Eis der Gletscher überragt, Hochgebirge von mächtigen Tälern gespalten. Die Küste ist übersät von Tausenden Inseln und Schären und aufgerissen von Fjorden, die weltweit einzigartig sind. Ebenso wie das stille Nordmeer in einer Mittsommernacht sind sie Ausdruck einer mächtigen Natur. In Norwegen bietet jeder Augenblick wahrhaft einen neuen Blick, und wer sich mit allen Sinnen auf dieses Land einlässt, wird vor allem eines erleben: Harmonie.
8000 v. Chr.
Mit dem Ende der Eiszeit folgen die ersten Menschen Rentieren und anderem Jagdwild nach Norden
7000-4000 v. Chr.
Besiedlung der Finnmark. Im Süden Übergang zur Agrarkultur
1500-500 v. Chr.
Bronzezeit. Im Süden vorwiegend bäuerliche Kulturformen, im Norden hauptsächlich Jagdkultur
793-1066
Wikingerzeit
872
Harald „Schönhaar" Hårfagre eint große Teile Norwegens. Der teils blutige Einigungsprozess setzt sich noch rund 200 Jahre fort
um 1250
Die Hanse richtet Niederlassungen ein und beutet das Land aus
1349-50
50 bis 60 Prozent der Bevölkerung fallen der Pest zum Opfer
1397
Kalmarer Union (Dänemark, Schweden und Norwegen; bis 1523)
1814
Dänemark tritt Norwegen an Schweden ab. In Eidsvoll wird am 17. Mai das norwegische Grundgesetz verabschiedet
1905
Norwegen löst sich aus der Union mit Schweden
1940-45
Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht
Mitte der 1960er-Jahre
Erste vielversprechende Ölfunde in der Nordsee
1972
Bei der ersten EU-Abstimmung votieren 53 Prozent der Norweger gegen eine Mitgliedschaft
1991
Harald V. wird König
1994
Zweites Nein der Norweger zu einer EU-Mitgliedschaft
2006
Das Volumen des norwegischen Erdölfonds übersteigt 1700 Mrd. NOK
www.nortro.de/blog
Alt skjønnssak (alles Ansichtssache!) heißt dieses kunterbunte und anspruchsvolle „Gedankenkabinett" eines waschechten Norwegenfans. Viele Reiseberichte, Tagebucheinträge und Infos zu Kultur, Politik und Gesellschaft.
http://xt600.twoday.net
„Elchfrikadelle". Dieser Blog, von deutschen Einwanderern ins Leben gerufen, bietet eine Vielzahl von Anekdoten und Artikeln zu Norwegen. Häufig besuchte Seite, deren Aufzeichnungen zu Land, Leuten und Kultur die feinen Besonderheiten des Alltags vermitteln. Viele Bilder.
www.fjordblick.com
Reiseberichte, Bilder und Videoaufnahmen aus den verschiedenen Landesteilen, kurz und bündig präsentiert und um nützliche Hinweise erweitert.
http://vorspiel.podspot.de
Persönliche, heitere Berichte eines Exildeutschen, der über Land und Leute plaudert. Der für Deutschsprachige pikante Name „Vorspiel" bezeichnet in Norwegen das gemütliche Trinken und Beisammensein vor dem Feiern.
Der Alleinunterhalter
Lars Saabye Christensen beschreibt die Begegnung eines Städters mit den Menschen und Launen auf einer nordnorwegischen Insel.
Über alle Ufer
Johnny Hallberg schildert Menschen auf dem Dorf, die im Angesicht einer Überschwemmung von ihrer Vergangenheit und ihren Beziehungen eingeholt werden.
Evas Auge
Spannend erzählt und dabei kritisch sind die Krimis von Karin Fossum, herausragend ihr Erstling.
Ein Schrei in den Wäldern
Der Roman „Wer hat Angst vor dem bösen Wolf" von Ingvar Ambjørnsen war Vorlage für den nordisch-kalt gefilmten Thriller (2004). Fünf Titel des in Hamburg lebenden Autors sind dem verschrobenen Außenseiter Elling gewidmet. Hier porträtiert Ambjørnsen mit viel Humor die norwegische Gesellschaft der Jahre 1970-90. Die erste Verfilmung „Elling" (2001) war eine herrliche Komödie mit Tiefgang.
Kitchen Stories
Der Regisseur Bent Hamer hat es bis nach Hollywood geschafft. Seinem Erstling „Eggs" (1995) folgte der mehrfach ausgezeichnete „Kitchen Stories" (2003), eine etwas groteske Geschichte mit leisem Humor, wenigen Dialogen und einer erstklassigen Charakterdarstellung.
Hurtigruten: ein Zauberwort für ganz Norwegen
Seit 1893 pendeln die Schiffe von Hurtigruten zwischen Bergen und Kirkenes. Elf Tage und damit auch elf Schiffe sind für die 4600 km lange Hin- und Rückfahrt nötig, 34 Häfen werden angelaufen. Die Route verläuft zumeist in ruhigem Fahrwasser zwischen den Schären und Inseln hindurch. Hurtigruten ist bei Touristen vor allem als Rundreise von April bis Oktober beliebt, doch zu jeder Jahreszeit lässt sich die norwegische Küste vom Wasser aus entdecken. Es lohnt sich, auf die Nebensaison auszuweichen, denn immerhin kostet die Rundreise inklusive Anreise mit Flugzeug oder Fähre/Bahn ab Hamburg im Sommer 1500 bis 3000 Euro. Informationen und Buchung: Norwegische Schiffahrtsagentur | Kleine Johannisstr. 10 | 20457 Hamburg | Tel. 040/376930 | Fax 364177 | www.hurtigruten.de
Der Alleinunterhalter
Lars Saabye Christensen beschreibt die Begegnung eines Städters mit den Menschen und Launen auf einer nordnorwegischen Insel.
Über alle Ufer
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