Kilometerlanger, feinsandiger weißer Strand, verträumte Buchten, türkisfarbenes Meer und sich im Wind wiegende Palmen: So präsentiert sich Jamaika. All-inclusive-Urlauber kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Entdeckertypen: Alte Piratenburgen rufen Kindheitserinnerungen wach, Wanderungen durch die Blauen Berge und das untouristische Cockpit County mit seiner ökologisch noch intakten Vielfalt locken. Kleine Boutiquehotels offerieren exklusiven Service, Toprestaurants übertreffen sich mit ihren Fusionküchen. Und dazu noch die Musik: Reggae verzaubert noch immer Alt und Jung.
In der Reihe vor der Passkontrolle steht ein Mann mit langen Dreadlocks, grauem Zweireiher und Designeraktentasche. Die Reisetasche hebt dann gemächlich ein hoch gewachsener Kofferträger vom Förderband. Wild umrahmen die langen, verfilzten Haare seinen Kopf. Und vor der Abfertigungshalle sitzt eine Gruppe von Rastafaris. Aus ihrem Ghettoblaster tönt rhythmisch Reggae, eine lange, konisch gedrehte Zigarette macht die Runde. Willkommen auf Jamaika!
Die Vorstellung von der Rundumbeschallung à la „Get up, stand up", den Marihuanaqualmwolken über den selten vorhandenen Bürgersteigen, dem easy going unter karibischer Sonne, Rasta, Rum und Reggae - und das 24 Stunden am Tag? Wer dieses Zerrbild am Ende seiner Ferienreise mit nach Hause nimmt, hat vergessen, das Land kennenzulernen, versäumt, die bald 11000 km² Berg- und Küstenlandschaft zu durchstreifen, und es nicht geschafft, einen Zugang zu den Jamaikanern zu finden. Der Anlass für ein Gespräch ist schnell gefunden. Jamaikaner sind Fremden gegenüber aufgeschlossen und hilfsbereit, aber auch neugierig. Was Sie machen, woher Sie kommen, wohin Sie gehen, wollen sie wissen; ob Ihnen die Insel gefällt und ob Sie wieder kommen.
Der Einfachheit halber werden Touristen wahlweise mit Joe oder Jane angesprochen. Sie brauchen sich also nicht zu wundern, wenn es quer über die Straße schallt: „Hey Jane!"
Am 18. Breitengrad steht die Sonne fast...
senkrecht und strahlt aus meist blauem Himmel. Hymnisch einschmeichelnd und zuckersüß besingt Harry Belafonte Jamaika als „Island in the Sun". Das ganze Jahr über herrscht ein tropisches Klima, Sommer und Winter unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Nachts kühlt es zwar etwas ab, doch es bleibt angenehm warm. Sanfte Winde lindern allzu große Schwüle, spielen raschelnd in den Kronen der Palmen. Dabei gibt es auch regionale Unterschiede: Im Süden fallen viel weniger Niederschläge als im Norden, die Vegetation ist spärlicher, die Sonne brennt heißer, und mannshohe Kakteen sind keine Seltenheit.
Das Meer ist weiter draußen tiefblau und trägt weiße Häubchen; an der Küste, in geschützten Buchten, ist es spiegelglatt und schillert in vielen Nuancen, mal hellblau, mal türkis. Transparent wie Zellophan, erlaubt es den Blick auf eine karibisch-bunte Unterwasserwelt. Fische in allen Regenbogenfarben umschwärmen vielfältige Korallenformationen und bewachsene Felsen. Heller Sand polstert Teile des Ufers, daneben trotzen schroffe Klippen dem Ansturm der Fluten. Von Mai bis November können Hurrikans über Jamaika hinwegfegen - ein Wermutstropfen im süßen Tropencocktail.
Eher wild als lieblich-idyllisch ist die Landschaft im Inselinnern. Den Nordwesten beherrscht das Cockpit Country, eine zerklüftete und schwer zugängliche Karstlandschaft, in die sich die Maroons, freigelassene und entflohene Sklaven, einst zurückzogen, um frei zu leben. Im Osten erheben sich die Blue Mountains mit dem Blue Mountain Peak (2256 m). Beide Regionen sind dünn besiedelt, der Anbau von Früchten und Gemüse ist mühsam. Nur Kaffeepflanzen gedeihen gut in den Hochlagen. Der besondere Reiz dieser Berge liegt in ihrer ursprünglichen Wildheit. Bis hoch hinauf gibt es noch an Edelhölzern reiche Wälder, die einst die ganze Insel bedeckten. Die kühle Feuchtigkeit des alles vereinnahmenden Nebels ist spürbar. Von einer zur anderen Sekunde entzieht hier oben die Natur dem Betrachter die gerade noch...
gewährten Ausblicke. Weder Himmel noch Erde scheinen zu existieren.
Während das Landesinnere oft unerschlossen und unberührt erscheint, zeigen Jamaikas Ufer ein anderes Gesicht. An der Nordküste, in den Orten Montego Bay, Runaway Bay und Ocho Rios, stehen die meisten Hotels. Die Sandstrände strecken sich in mehr oder weniger großen Buchten aus; viele von ihnen sind den Gästen der dort angesiedelten Hotels vorbehalten. Großen Zuspruchs erfreut sich auch Negril an der Westküste, sein 11 km langer Strand ist der längste der Insel. Den Süden hingegen charakterisieren abgelegene Fischerorte, unberührte Strände und eine junge touristische Infrastruktur. Hier fließen die Flüsse träge durch Mangrovendickicht.
Die Ostküste bietet die meiste Feuchtigkeit, die üppigste Vegetation und die verschwiegendsten Strände auf der ganzen Insel. Port Antonio ist ihr Herz. Einst bedeutender Bananenhafen, dann Tropenidyll für Hollywoodstars, steigen heute in den Pensionen und den wenigen größeren Hotels vor allem Individualtouristen ab. Auf der anderen Seite, mit den Blue Mountains im Rücken, liegt die pulsierende Hauptstadt Kingston. Auf den ersten Blick scheint die Stadt nicht mit Touristen gerechnet zu haben: Die Energie dieser Metropole kann man nicht auf einer Stadtrundfahrt spüren - schon eher bei einem Theater- oder Konzertbesuch. Erst während einer durchtanzten Nacht in einem Musikclub, einem Sonntag am Strand von Hellshire oder auf der Insel Lime Cay lernt man, die angenehmen Seiten der Stadt zu schätzen.
Überhaupt sind Sonntage auf Jamaika heiter und leicht. Damen in pinkfarbenen oder hellblauen Kostümen mit netzbehangenen Hüten eilen zur Messe. Die Straßen rund um die Gotteshäuser sind mit preisenden Gesängen und Danksagungen erfüllt. Nach dem Kirchgang besucht man Familie und Freunde, oder man unternimmt zusammen einen Ausflug. Selbst die Jugend gönnt sich einen Ruhetag, denn die Freitag- und Samstagabende dauern häufig bis zum Morgengrauen.
Die...
Touristenzentren liegen meist in der Nähe der interessanten Ausflugsziele. Einige der ehemaligen Herrenhäuser der Plantagenbesitzer, Great Houses genannt, wurden aufwendig renoviert und zu Museen umfunktioniert. In ihnen lernen Sie auch etwas über die Geschichte des Landes. Die Reichtümer der tropischen Natur werden auf Musterplantagen und in botanischen Gärten erklärt. In jedem größeren Ort gibt es farbenprächtige Märkte. Oder Sie mieten einen Wagen und fahren hinauf in die Hügel. Streifen durch Dörfer mit phantasievoll bemalten Hütten. Mit Respekt, Freundlichkeit und nicht übermäßig zur Schau gestelltem Reichtum geben solche Ausflüge gerade dem Urlaub auf Jamaika die Würze. Feel the vibe: Die Einladung an die ausländischen Besucher ist ausgesprochen, man muss sie nur aufgreifen, sich auf die Schwingungen einlassen, auf Entdeckungsreise gehen.
ab 650
Einwanderung der Tainos
1494
Christoph Kolumbus landet auf seiner zweiten Reise am 5. Mai an der Nordküste Jamaikas
1655
Britische Truppen besetzten am 10. Mai die spanische Kolonie
1692
Der Piratenhafen Port Royal versinkt am 7. Juni nach einem schweren Erdbeben im Meer
1739
Nach mehr als 80 Jahren Rebellenkrieg schließen Briten und aufständische Maroons einen Friedensvertrag
1838
Die Abschaffung der Sklaverei wird auch für Jamaika verbindlich
1866
Jamaika wird britische Kronkolonie
1938
Wirtschaftsunruhen im Land führen zur Gründung von Parteien und Gewerkschaften
1962
England entlässt Jamaika am 6. August in die Unabhängigkeit. Sir Alexander Bustamente von der konservativen Arbeiterpartei JLP wird erster Premierminister
1976
Der sozialistische Regierungskurs der Nationalen Volkspartei PNP bringt das Land an den Rand eines Bürgerkriegs
1980
Die JLP gewinnt die Wahl und führt das Land auf einen prowestlichen Kurs zurück
1989
Die inzwischen gemäßigte PNP erhält die erneute Regierungsverantwortung
2006
Portia Simpson-Miller wird als erste Frau Regierungschefin
2007
Nach Jahrzehnten verliert die PNP die Macht wieder an die JLP
Hier können Sie Jamaikaner ganz privat kennenlernen
Sie möchten einen Lehrer treffen und sich bei ihm über das jamaikanische Erziehungssystem informieren? No problem. Sie suchen einen Golfpartner vor Ort? Das Tourist Board hilft. Meet the People (http://meetthepeople.visitjamaica.com) heißt das Programm, um Jamaika von seiner privaten Seite kennenzulernen. Sie nennen Ihren Beruf, Ihr Alter, Hobby oder einen speziellen Wunsch, was Sie gern unternehmen möchten. Das Tourist Board organisiert daraufhin innerhalb weniger Tage ein Treffen. Das Programm ist kostenlos, doch ist ein Gastgeschenk aus dem eigenen Land eine nette Geste. Ein Tipp: Jamaikaner lieben Süßigkeiten, besonders gute Schokolade.
Handeln statt reden
Reisen bereichert und verbindet Menschen und Kulturen. Jedoch: Wer reist, erzeugt auch CO2. Dabei trägt der Flugverkehr mit bis zu 10 % zur globalen Erwärmung bei. Wer das Klima schützen will, sollte sich somit nach Möglichkeit für die schonendere Reiseform (wie z.B. die Bahn) entscheiden. Wenn keine Alternative zum Fliegen besteht, so kann man mit atmosfair handeln und klimafördernde Projekte unterstützen.
atmosfair ist eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation.
Die Idee: Flugpassagiere spenden einen kilometerabhängigen Beitrag für die vonihnen verursachten Emissionen und finanzieren damit Projekte in Entwicklungsländern, die dort helfen den Ausstoß von Klimagasen zu verringern. Dazu berechnet man mit dem Emissionsrechner auf www.atmosfair.de wie viel CO2 der Flug produziert und was es kostet, eine vergleichbare Menge Klimagase einzusparen (z.B. Berlin-London-Berlin: ca. 13 Euro). atmosfair garantiert, unter der Schirmherrschaft von Klaus Töpfer, die sorgfältige Verwendung Ihres Beitrags. Auch der MairDumont Verlag fliegt mit atmosfair.
Unterstützen auch Sie den Klimaschutz: www.atmosfair.de
www.expat-blog.com/en/directory/central-america/jamaica
Neujamaikaner aus aller Welt vermitteln Besuchern und Einwanderungswilligen ihre Erlebnisse, Erfahrungen mit Einreise, Behördengängen, Wohnungs- und Arbeitssuche.
www.travelblog.org/CentralAmerica-Caribbean/Jamaica
fein aufgeteilt nach Regionen, können Sie sich anhand der Erfahrungen von Jamaikareisenden ein eigenes Bild machen.
www.travelpod.com/travel-blogcountry/Jamaica/tpod.html
Wer angemeldet ist, kann seine Reiseberichte über Jamaika ins Internet stellen und seine Fotos publizieren - dazu gibt es informative Tipps und Reiseerfahrungen.
www.go-jamaica.com/podcasts
Nachrichten, Features, Fotos und MP3-Dateien rund um Jamaika bietet die umfangreich verlinkte Seite.
http://mobilcast.com/bigupmagazinreggaeanddancehallpodcast
Fans von Reggae und Dancehall können hier MP3s und Musikvideos downloaden.
www.top5jamaica.com/category/Blogs+%7C+Homepages
Wer hier nichts für seinen Geschmack findet, dem kann kaum noch geholfen werden.
150 Jahre sollen die Rohstoffvorkommen reichen
Der Stoff, aus dem das Aluminium ist, wurde im 19. Jh. gefunden. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Abbau von Bauxit, der aus der roten Erde verwitterter Kalksteinböden gewonnen wird. Jamaika verfügt über das fünftgrößte Bauxitvorkommen der Erde. Aus 1 t Bauxiterde erhält man weniger als 250 kg Aluminium, zurück bleibt giftiger Rotschlamm. Jamaika ist nach Australien, Guinea und Brasilien der viertgrößte Bauxitexporteur der Welt. Jährlich werden rund 14,6 Mio. t gefördert. Der Exportanteil von Bauxit und dem halbverarbeiteten Aluminiumoxid beträgt fast 100 Prozent.
Der Grand Cru unter den Kaffeesorten
Ein Ritual wie bei einer Weinprobe: David Twyman schwenkt leicht die Tasse mit der dunkelschwarzen Flüssigkeit. Ein Schluck, ein kauendes Goutieren, ein zufriedenes Kopfnicken. Der weltberühmte Kaffee aus den Blue Mountains ist für den Kaffeepflanzer der Champagner unter den koffeinhaltigen Getränken - und der teuerste dazu. Wer dem 1300 m hoch gelegenen Old Tavern Coffee Estate der Twymans (nur nach Vereinbarung | Tel. 8652978 | www.oldtaverncoffee.com) einen Besuch abstatten will, muss Zeit mitbringen. Nur Kaffeebohnen, die in dieser Region in Höhenlagen über 700 m herangereift sind, dürfen sich mit dem edlen Herkunftszertifikat schmücken. Wenn Sie den exklusiven Kaffee auch später frisch genießen möchten: Die Twymans liefern frei Haus per Kurierdienst zehn vakuumverpackte 227-g-Pakete für 220 US$ inklusive Verzollung.
Ein ruhiger Ort zum Entspannen
Ein richtiges Piratennest: Meterdicke Wände und bewehrte Zinnen schmiegen sich unauffällig in die abgelegene Bucht von Robin's Bay. Von der Anfang des 17. Jhs. erbauten Trutzburg brachen Freibeuter zu ihren Kaperfahrten auf. In den 1990er-Jahren hat Brigitta Fuchslocher die „Piratenburg" in der Nähe von Strawberry Fields gekauft. Die Ortschaft, der ein Erdbeerfeld den Namen gab, soll die Beatles zu ihrem Song „Strawberry Fields for ever" inspiriert haben. In den riesigen, spartanisch eingerichteten Zimmern verlieren sich die Betten. Der Innenhof wird als offener Speisesaal genutzt, und in der Küche können sich die Gäste auch mal selbst ihren Tee aufbrühen. 5 Zi. und 2 cottages, Halbpension | Annotto Bay | Tel. 9953003 | www.river-lodge.com | €
Deutsche Handwerker suchten ihr Glück in der Karibik
Häuser und Hütten des Dorfs Seaford Town, das sich großspurig...
Stadt nennt, liegen versprengt im Hügelland 25 km nördlich von Middle Quarters. Es unterscheidet sich von vielen anderen ländlich-armen Gemeinden nur durch die Hautfarbe der Bewohner. Einige von ihnen sind weiß, haben blaue Augen und stammen von deutschen Siedlern ab. Es waren kleine Handwerker aus dem Weserbergland, die sich zwischen 1834 und 1850 in dieser abgelegenen und nicht besonders fruchtbaren Gegend niederließen. Die industrielle Revolution in Deutschland hatte ihnen die Existenzgrundlage genommen. Nur einmal konnten sie etwas Ruhm ernten: Im Film „Papillon" spielten knapp 200 Dorfbewohner die ausgemergelten Gefangenen eines Straflagers. Ein mit Hilfe der Deutschen Botschaft errichtetes Museum erzählt die Geschichte der Glücklosen. Kontakt: Jannette Lynch Tel. 3712100
Kein Telefon im Himmel
Michelle Cliff erzählt in den als Collage montierten Rückblenden von der Rebellion einer jungen Jamaikanerin, die im Ausland aufgewachsen ist und mit einer bewaffneten Gruppierung in die Berge zieht, um das Land zu verändern.
Der schöne Mann, Im Todestrakt, Kampfhähne u. a.
Der auf der Insel lebende Schriftsteller Peter-Paul Zahl hat eine Reihe von Jamaikakrimis publiziert, die ein sozialkritisches Schlaglicht auf Politik und Gesellschaft werfen.
Herr der Fliegen
Die Gemeinschaft der nach einem Flugzeugabsturz auf einer kleinen Insel gestrandeten Kindergruppe verwandelt sich bald in ein Terrorregime. Die Außeneinstellungen für die Verfilmung (Regie: Harry Hook) des gleichnamigen Buchs von William Golding wurden rund um Port Antonio und an der Frenchman's Cove gedreht.
Almost Heaven
Das Roadmovie aus dem Jahr 2005 (Regie: Ed Herzog) mit Heike Makatsch in der Hauptrolle erzählt die Geschichte einer krebskranken jungen Frau, die sich ihren Lebenstraum als Sängerin erfüllen will, nach Jamaika kommt und mit einer einheimischen Sängerin das Land erkundet.
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