Namen und Orte sind uns aus den Geschichten der Bibel vertraut. Doch den Staat Israel gibt es erst seit 60 Jahren. Das ist das Faszinierende an diesem Land: überall auf den Spuren von 3000 Jahren Geschichte zu wandeln und doch inmitten der Moderne zu sein. Diesem aufregenden Kontrast im täglichen Leben begegnet man nur in Israel: allgegenwärtig praktizierter Religiösität in Jerusalem, knappster Bikinimode am Strand und einer aufregenden Clubszene in Tel Aviv. Baden im Roten Meer, tauchen im See Genezareth, die Schönheit der Natur zwischen der Wüste Negev und den Bergen Galiläas: Israel ist einfach spannend.
Israel: das Land der sonnigen Badeferien, der bildungsbefrachteten Studienreisen und der archäologischen Exkursionen, das Land weltentrückter Pilgerreisen, der Bibel und des Herrn, das Zentrum dreier Weltreligionen und ihrer heiligen Stätten. Und das Land, in dem Palästinenser und Israelis seit 60 Jahren unversöhnlich auf ihren „Rechten" beharren, und damit Ausgangspunkt und Zentrum des Nahostkonflikts.
Israel ist ein kleines Land, nur halb so groß wie die Schweiz. Seine vorzüglichen Straßen machen es zu einem Reiseland kurzer Wege. Gerade deshalb kann man mit Muße reisen, um seine Ziele zu erreichen. Die meisten Besucher betreten Israel in der Ankunftshalle des Ben-Gurion-Flughafens in Lod. Hier und erst recht im 23 km entfernten Tel Aviv erlebt man das moderne Israel, sieht keinen wesentlichen Unterschied zu westlichen Metropolen. Ein wenig spürt man aber auch in Tel Aviv das orientalische Flair, riecht fremde Düfte, sieht morgenländisch anmutende Szenen. Ganz europäisch präsentiert sich der Strand von Tel Aviv. Hier gleicht die Bademode der in Rimini oder auf Ibiza; nur „oben ohne" ist verpönt.
Ob Strandurlaub an der Mittelmeerküste oder in Elat am Roten Meer, es wäre schade, sich in diesem Land nur aufs Baden und Sonnen zu beschränken. In jedem Fall muss man „hinauf nach Jerusalem", 800 m hoch in den judäischen Bergen gelegen. Wenn man am frühen...
Abend hinauffährt und die Sonne hinter Jerusalem untergeht, lange Schatten den kahlen Kalksteinhügeln diesseits und jenseits der Straße noch stärkere Konturen verleihen, kehrt jene Ruhe ein, die „El Kuds", der Heiligen - wie die Araber Jerusalem nennen -, angemessen ist. Am besten wandert man morgens durch die Altstadt, wenn das Leben erwacht. Die palästinensischen Bazarbesitzer dekorieren dann ihre Waren, an der Klagemauer begrüßen fromme Juden den Tag mit „Höre Israel, der Herr ist unser alleiniger Gott", Franziskaner eilen in ihren braunen Kutten zur Grabeskirche, durch die engen Gassen patrouillieren junge israelische Soldaten.
Tiefe Frömmigkeit, das Bewusstsein, von Gott, Jahwe oder Allah „auserwählt" zu sein, die Gewissheit, als Einziger über die richtige Auslegung zu verfügen, scheint Menschen unterschiedlicher Religionen mehr zu trennen als zu verbinden. Das spürt man in Israel an vielen Orten nicht nur zwischen den drei Weltreligionen, sondern auch innerhalb jeder einzelnen Glaubensgemeinschaft. In Jerusalem kulminiert der nahöstliche Konfessionswirrwarr. Allein im christlichen Viertel der Altstadt residieren die Würdenträger von zwei Dutzend christlichen Kirchen, und Besucher aus dem Abendland lernen hier zum ersten Mal in ihrem Leben die Vielfalt der Christenheit kennen.
Bei den Juden ist es weniger die konfessionelle Vielfalt als die alltägliche Auseinandersetzung um die rechte religiöse Lebensweise auf Erden, die die Unterschiede ausmacht. In diesen Konflikt werden auch Besucher einbezogen, besonders am Shabbat im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim. In diesem Viertel treffen Besucher auf jüdisches Leben, wie sie es bestenfalls aus literarischen Darstellungen osteuropäischer Schtetl kennen. Auch wenn Mea Shearim wie eine exotische Enklave erscheint, der Einfluss des jüdischen Fundamentalismus ist groß in Israel. Im politischen Leben sind die religiösen Parteien seit der Staatsgründung stets das Zünglein an der Waage.
Außerhalb der großen...
Städte, beispielsweise im Norden Galiläas, spürt man von den politischen oder religiösen Bewegungen des Landes wenig. Zypressen und Olivenbäume bestimmen die Landschaft. Von Bergketten umrahmt liegt hier im Norden 200 m unter dem Meeresspiegel der See Genezareth, dessen Wasser heute sogar dem Negev zugute kommt. Unweit des Kibbuz Deganya, des ersten in Palästina gegründeten (1908), tritt der Jordan aus dem See aus, um nach etwa 100 km im Toten Meer zu versiegen. Am südlichen Ende des Jordantals liegt Jericho, von 1994 bis 1999 Verwaltungshauptstadt des zukünftigen Palästinenserstaates; seit 2000 ist Ramallah (10 km nördlich von Jerusalem) die „Hauptstadt" Palästinas.
Von Jericho benötigt man nur eine Autostunde bis nach Jerusalem, in dessen Altstadt man den Hauch von 3000 Jahren Geschichte noch spürt. Wer einmal auf der von Sultan Suleiman 1540 errichteten Mauer entlangläuft, kann viel davon in und außerhalb der Altstadt entdecken: Jerusalem ist die geschichtsmächtigste Stadt Israels. Auch jener schrecklichen Epoche, die der Gründung des Staates Israel unmittelbar vorausging, wird hier gedacht. Das Mahnmal des Holocaust, die Gedenkstätte Yad Vashem, konfrontiert die Besucher mit nur schwer zu ertragenden Dokumenten. Immer wieder wird man in Israel mit der Frage konfrontiert, wie so etwas ausgerechnet in Deutschland möglich war und warum so wenige den Mut hatten, sich dagegen zu erheben. „Wiedergutmachung" für diesen Völkermord kann es nicht geben, wohl aber für alle Deutschen die Verpflichtung, jedweder Menschenverachtung und nationalistischem Pathos entschieden entgegenzutreten - auch in Israel.
Anfang der 90er-Jahre sah es so aus, als hätte der Frieden eine Chance im Nahen Osten. 1994 erhielten Simon Peres, Yitzhak Rabin und Yassir Arafat den Friedensnobelpreis, weil sie eine Vereinbarung zustande gebracht hatten, an deren Ende zwei unabhängige, sich gegenseitig anerkennende Staaten stehen sollten. Aber Yitzhak Rabin wurde am 4. Nov. 1995 von einem...
jüdischen Fanatiker ermordet. Seit seinem Tod hatte sich unter allen israelischen Regierungen das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern verschlechtert, und unter Ministerpräsident Ariel Sharon eskalierte schließlich die Situation durch die Selbstmordattentate einzelner Palästinenser und israelischerseits durch den Bau einer Betonmauer zwischen Israel und der Westbank, die zudem völkerrechtswidrig zum Teil auf dem besetzten Gebiet des zukünftigen Palästinenserstaates verläuft. Der israelische Abzug aus dem Gaza-Streifen im gleichen Jahr erfolgte zu spät, um als Friedensgeste gewertet zu werden. In Gaza regiert seitdem die radikale Hamas in Konfrontation mit dem 2005 gewählten Nachfolger von Yassir Arafat, dem Präsidenten Mahmoud Abbas in Ramallah.
Viele Stolpersteine liegen noch auf dem Weg des Friedens. Mit Israelis dieses hochsensible Thema zu diskutieren, ihnen Fragen zu stellen, weniger die eigenen Ansichten zu verkünden, ihre Meinung zu hören, das ist für Besucher ohne Schwierigkeiten möglich. Man kann zwanglos mit Mitgliedern des israelischen Naturschutzvereins wandern, in einem Kibbuz wohnen, bei archäologischen Ausgrabungen mitbuddeln. Immer trifft man dabei Israelis, die sehr offen, manchmal auch sehr kritisch über ihr Land reden.
1500 v. Chr.
Hirtenstämme wandern aus Mesopotamien (heute Irak) nach Palästina ein
957 v. Chr.
König Salomon errichtet den Ersten Tempel in Jerusalem
587 v. Chr.
König Nebukadnezar II. zerstört den Ersten Tempel („Babylonische Gefangenschaft")
70
Kaiser Titus zerstört den Zweiten Tempel. Palästina wird danach von den jeweils den Nahen Osten beherrschenden Mächten kontrolliert
1947
Die UN schlagen eine konföderative Teilung Palästinas vor
1948
Am 14. Mai ruft David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel aus
1967
Israel erobert die Golan-Höhen, die Westbank sowie den Sinai. Die UN fordern den israelischen Rückzug
1973
Yom-Kippur-Krieg. Danach beginnt Israel mit der Besiedlung der eroberten Gebiete
1979
Rückgabe des Sinai an Ägypten (Camp-David-Abkommen)
1987
Auflehnung der Palästinenser in den besetzten Gebieten (1. Intifada)
1993
Gaza-Jericho-Abkommen
1995
Yitzhak Rabin wird ermordet; seitdem stockt der Friedensprozess
ab 2001
Palästinensische Selbstmordattentate bestimmen die 2. Intifada
2005
Räumung des Gaza-Streifens. Israel baut eine bis zu 8 m hohe Mauer z.T. auf palästinensischem Gebiet
2008
Krieg im Gaza-Streifen
2009
Neuer Ministerpräsident: Benyamin Netanyahu; Besuch des Papstes
Handeln statt reden
Reisen bereichert und verbindet Menschen und Kulturen. Jedoch: Wer reist, erzeugt auch CO2. Dabei trägt der Flugverkehr mit bis zu 10 % zur globalen Erwärmung bei. Wer das Klima schützen will, sollte sich somit nach Möglichkeit für die schonendere Reiseform (wie z.B. die Bahn) entscheiden. Wenn keine Alternative zum Fliegen besteht, so kann man mit atmosfair handeln und klimafördernde Projekte unterstützen.
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Die Idee: Flugpassagiere spenden einen kilometerabhängigen Beitrag für die vonihnen verursachten Emissionen und finanzieren damit Projekte in Entwicklungsländern, die dort helfen den Ausstoß von Klimagasen zu verringern. Dazu berechnet man mit dem Emissionsrechner auf www.atmosfair.de wie viel CO2 der Flug produziert und was es kostet, eine vergleichbare Menge Klimagase einzusparen (z.B. Berlin-London-Berlin: ca. 13 Euro). atmosfair garantiert, unter der Schirmherrschaft von Klaus Töpfer, die sorgfältige Verwendung Ihres Beitrags. Auch der MairDumont Verlag fliegt mit atmosfair.
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Hebräische Schriftzeichen, lateinische Buchstaben
Hebräisch, die wiederbelebte und aktualisierte Sprache der Bibel, und Arabisch sind die offiziellen Landessprachen. Englisch wird überall verstanden. Die Transkription hebräischer Namen erfolgt nach Gehör. Schreibweisen sind also nur der Versuch, Laute und Intonation des hebräischen Wortes in die jeweilige Sprache zu übertragen. Daher findet man für dasselbe Wort oft viele unterschiedliche Schreibweisen in lateinischer Schrift. Der Begriff „Neujahr" wird z.B. Rosh Ha Shana oder Roschhaschana geschrieben. Oft benutzt man die Transkription, die dem Englischen am nächsten steht.
www.topblogs.de/blog-1429.html
Web-Tagebuch eines deutschen Zivildienstleistenden in Israel.
ontheface.blogware.com
Lisa Goldman ist kanadisch-israelische Journalistin, lebt in Tel Aviv und informiert über aktuelle Themen auch zur Innenpolitik Israels.
http://rungholt.wordpress.com/
Lisa Rungholt, in Deutschland aufgewachsen, bloggt seit 2004 auf Deutsch aus Israel. Sie lebt in einem Kibbuz im Norden Israels. Man erfährt viel über das Leben und Arbeiten im Kibbuz, den Familienalltag, aber auch über die Auswirkungen der politischen Lage im Nahen Osten.
www.debatte.welt.de/weblogs/
Unter „Israel" findet man einige interessante Blogs über den Israel-Aufenthalt der Hamburger Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Kathrin Ludwig.
www.ardmediathek.de
Sehr informativ sind die Webseiten deutscher Fernsehsender und Radioanstalten. Unter dem Stichwort „Israel" gelangt man zu Aufzeichnungen Israel-relevanter Sendungen.
www.beiuns-beieuch.de/israel/
Kurzfilme geben einen interessanten Einblick in den deutschen und israelischen Alltag - aus der Perspektive von Jugendlichen.
Israel. Ein Staat sucht sich selbst
Igal Avidan, ein israelischer Korrespondent in Berlin, zeigt ein Israel jenseits aller Klischees.
Es war einmal ein Land
Mit Humor und Weisheit beschreibt Sari Nusseibeh die Ähnlichkeit der Menschen verschiedener Glaubensrichtungen im Heiligen Land und wie sich deshalb in Jerusalem der Irrsinn breitmacht.
Von Gaza nach Beirut
Mit diesem israelischen Tagebuch des Journalisten und Trägers des alternativen Nobelpreises Uri Avnery versteht man den Nahost-Konflikt besser.
Der dritte Zustand
Der international mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Amos Oz setzt sich in seinen Romanen - so auch in diesem - für eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ein.
Exodus
Otto Preminger verfilmte 1960 den Bestseller von Leon Uris über das Schicksal jüdischer Emigranten auf dem Schiff „Exodus" mit Paul Newman in der Hauptrolle.
Detail
Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarkurzfilm (2004) des israelischen Regisseurs Avi Mograbi zeigt die Schwierigkeiten der israelischen Armee im Umgang mit palästinensischen Zivilisten.
Waltz with Bashir
Ari Folman reflektiert die Albträume, die er seit seinem Einsatz als Soldat im Libanon-Krieg hat. Der Trickfilm erhielt 2009 den Golden Globe und den César.
Das Rabbinat guckt in die Töpfe
Was fälschlicherweise als jüdisch oder israelisch im Zusammenhang mit Gerichten und nationalen Spezialitäten bezeichnet wird, ist das Schlüsselwort „koscher". Das aber definiert nur, ob die Speise und ihre Zubereitung den religiösen Vorstellungen des Alten Testaments entspricht....
Koscher bedeutet sauber, rein, erlaubt. Erlaubt sind Geflügel, Fische und das Fleisch wiederkäuender Paarhufer, also das von Rindern, Schafen und Ziegen. Unrein dagegen sind z.B. Kaninchen, Meerestiere, die weder Schuppen noch Kiemen haben (also Hummer, Muscheln oder Aale) und vor allem Schweine. Die jüdischen Essensregeln (Kaschrut) verlangen auch die strikte Trennung bei der Zubereitung von Fleisch und Milch und zwischen ihrem Verzehr mindestens einen Abstand von sechs Stunden. Ein frommer Jude wird niemals einen Cappuccino nach einem Steak zu sich nehmen. Koschere, vom Rabbinat zertifizierte Restaurants haben deshalb auch immer zwei Küchen. Die Steigerung religiöser Rigidität in der Küche heißt in der Landessprache „glatt koscher".
Die Klagemauer als Nachrichtenarchiv
Wer an die Klagemauer nahe genug herantritt, entdeckt, dass in den Ritzen zwischen den mächtigen Quadern viele kleine Zettel (Kvittelchen) stecken. Sie enthalten Bitten und Wünsche direkt an den Herrn. Wer seine Post in diesen „Briefkasten" Gottes nicht persönlich einwerfen kann, weil er z.B. im Ausland lebt, schickt einen Brief, ein Fax oder eine E-Mail an das Jerusalemer Rabbinat - ein Rabbi übernimmt dann die Aufgabe des Postboten. Der Briefkasten Gottes muss natürlich von Zeit zu Zeit auch geleert werden. Deshalb lässt das Rabbinat einmal im Monat des Nachts alle Kvittelchen aus den Ritzen nehmen und „beerdigt" sie anonym auf dem Ölberg.
© Verlag Marco Polo