Weltgeschichte im Zeitraffer, imposante Naturschätze, faszinierende Landschaften: Jordanien ist ein attraktives Reiseland, und es könnte Ihnen passieren, dass Sie am Ende einfach nicht mehr nach Hause wollen. Warum? Weil Sie sich nach der Weite und Einsamkeit der Wüste zurücksehnen. Weil Sie die sanfte Abendbrise in mediterranen Hügeln vermissen. Vielleicht, weil Ihnen das kreative Chaos der orientalischen Megastadt Amman fehlt. Möglicherweise sind Sie aber auch einfach süchtig nach dem guten Essen geworden. Oder nach den freundlichen Menschen. Wie und was auch immer es ist: Willkommen in Jordanien!
Jordanien ist als Reiseland lange unterschätzt worden. Zu Unrecht: Das haschemitische Königreich ist eine kleine Perle - auf engem Raum liegen Zeugnisse der großen europäischen und vorderasiatischen Kulturen nebeneinander.
Wie in einer Zeitmaschine können Reisende die Weltgeschichte bis in ihre Frühzeit zurückverfolgen. Die ältesten Großplastiken der Welt, die Ain-Ghazzal-Statuen mit ihren lebendigen Gesichtern - zu sehen im Archäologischen Museum in Amman -, schufen Künstler im 8. Jahrtausend v. Chr. Höhepunkt jeder Jordanienreise ist die Felsenstadt Petra, die die Nabatäer ab dem 6. Jh. v. Chr. in den rötlichen Stein geschlagen haben. Griechen, Römer, Christen, Muslime und Kreuzritter hinterließen beeindruckende Spuren auf dem Territorium des heutigen Jordanien.
Doch das Land lädt nicht nur zu einem Spaziergang durch die Geschichte ein, es besitzt auch großartige Naturschätze. Die Region an der Schnittstelle des Mittelmeerraums mit der großen Wüste der Arabischen Halbinsel bietet spektakuläre Landschaften. So fasziniert im Süden die Wüste Wadi Rum mit ihrem feinen Sand und den roten Felsen, die grandios in den Himmel aufragen. Sie ist der schönste Teil der Wüstengebiete, die 90 Prozent Jordaniens ausmachen und die Bevölkerung geprägt haben. Die Weite und die Einsamkeit dieser Landschaft reduzieren alles auf das Wesentliche: schlichte Gesten, keine...
überflüssigen Worte, Kontrolle der Emotionen. Diese Eigenschaften haben sich in Jahrtausenden herausgebildet, in denen die Menschen sich an die lebensfeindliche Umgebung angepasst haben. Die unaufdringliche, fast zurückhaltende Höflichkeit der Jordanier hat hier ihren Ursprung. Aber auch die nüchterne Lebenseinstellung: So gibt es im Ramadan keine Volksfeste bis spät in die Nacht und nach dem Fastenbrechen kein sinnenfrohes Treiben in den Straßen. Die Jordanier feiern im Kreis der Familie, im eigenen Haus.
Nur wenige Kilometer vom Wadi Rum entfernt wartet das Rote Meer, das mit seinen Korallenriffen und Fischgründen ein Taucherparadies ist. Das Jordantal, in dessen subtropischem Klima Gemüse angebaut wird, bietet dagegen Grün, so weit das Auge reicht. An seinem südlichen Ende mündet der Jordan in das Tote Meer, das mit 400 m unter dem Meeresspiegel am tiefsten Punkt der Erde liegt. Mit seinem hohen Salz- und Mineraliengehalt zieht es von jeher Touristen an, die aus gesundheitlichen Gründen hierher reisen. Und im Norden findet sich mediterrane Hügellandschaft mit Olivenhainen.
Wenn Jordanien trotz dieser Attraktionen lange von Reisenden ausgelassen wurde, liegt das an der politischen Lage in der Region. Das Image des Pufferstaates zwischen den Krisengebieten Israel/Palästina und Irak leidet unter den instabilen Verhältnissen in den Nachbarstaaten. Doch Jordanien selbst war bis zu den Terroranschlägen auf Hotels in Amman 2005 ein Hort von Stabilität und Sicherheit. Nicht umsonst hat das Weltwirtschaftsforum von Davos Jordanien als Schauplatz seiner Sondertreffen in der Region ausgewählt.
Aber auch Touristen werden in Jordanien wie Staatsgäste behandelt. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, aber nie aufdringlich. Mit Ausnahme vielleicht bei einem Besuch in Petra werden Sie es nicht erleben, dass eine Meute von Andenkenverkäufern Sie verfolgt oder Kinder Sie anbetteln. Taxifahrer rechnen nach Taxameter ab, und so gibt es kein lästiges Feilschen um...
den Fahrpreis. Dank des guten Bildungssystems sprechen viele Jordanier Englisch. Straßenschilder sind immer zweisprachig, in Arabisch und Englisch, beschriftet. Damit ist Jordanien ein ideales Ziel auch für Individualtouristen, die selbstständig auf Entdeckungsreise gehen wollen.
Das heutige Jordanien ist ein relativ junger Staat, der von den britischen Kolonialherren am grünen Tisch geplant wurde. Sie wollten ihrem Verbündeten Abdallah ein Königreich verschaffen, das Transjordanland, wie das britische Mandatsgebiet damals hieß. Der „kleine König" Hussein, der Enkel von Staatsgründer Abdallah I., hat es verstanden, dem rohstoffarmen Land eine über seine geografische Größe hinausgehende Rolle zu verschaffen. Nach seinem Tod 1999 trat sein Sohn Abdallah II. die Nachfolge an. Mit der schönen Königin Rania an seiner Seite, die selbst Palästinenserin ist, ist Abdallah II. ein im Westen beliebter Gast. Im Wirtschaftsbereich hat der König junge Technokraten an die Schalthebel der Macht geholt. Politische Reformen sind bisher jedoch über Ankündigungen nicht hinausgekommen.
Dabei besteht auch in Jordanien, das im Westen gern als arabisches Musterland gesehen wird, Reformbedarf. Groß ist der Gegensatz zwischen Arm und Reich, zumal eine intakte Mittelschicht fehlt. Im Villenviertel Abdoun in West-Amman reihen sich palastartige Wohnhäuser aneinander, es stehen mindestens zwei Autos in der Garage, und die Hausarbeit wird vom Personal übernommen. Trotz der Arbeitslosigkeit im Land meiden Jordanier bestimmte Arbeiten, die ihnen zu schlecht bezahlt oder zu schwer sind. So sind die Gärtner in den Villenvierteln und im Jordantal meistens Ägypter. Der konservative Ehrenkodex der Beduinen und des Islam führen außerdem dazu, dass jordanische Frauen nicht in einem fremden Haushalt arbeiten. Es würde sie kompromittieren, wenn sie sich allein mit einem fremden Mann im Haus befänden. Diese Arbeit übernehmen Frauen von den Philippinen, aus Sri Lanka und Bangladesch. Auch die...
Kindererziehung wird in der Oberschicht oft in die Hände asiatischer Kindermädchen gelegt.
Im Ostteil der Stadt dagegen lebt meist eine ganze Familie in einem Zimmer, die Häuser sind eng aneinandergrenzende, oft unverputzte Betonbauten. Wirkliches Elend sieht man in Jordanien jedoch selten, Slums gibt es nicht. Dies ist dem Fluss von Hilfsgeldern aus dem Ausland zu verdanken, die Jordanien in der Krisenregion stabilisieren und die prowestliche Haltung des Königshauses garantieren sollen, aber auch den Überweisungen der vielen Hunderttausend Auslandsjordanier.
Wenn Sie einige Sätze Arabisch lernen, werden sich die Türen und Herzen der Jordanier noch weiter öffnen. Viele sind freudig überrascht, wenn westliche Ausländer sich für ihre Sprache und Kultur interessieren. Entdecken Sie nicht nur die historischen Sehenswürdigkeiten Jordaniens, sondern tauchen Sie auch in die zeitgenössische arabische Welt ein. Ahlan wa Sahlan - herzlich willkommen.
6. Jh. v. Chr.-2. Jh. n. Chr.
Nabatäer siedeln im Wadi Araba
Ab 636
Arabische Heere erobern die Region. Verbreitung des Islam
11. Jh.
Erster Kreuzzug, 1099 wird Jerusalem eingenommen
1517-1917
Transjordanien ist Teil des Osmanischen Reiches
1920
Großbritannien erhält das Völkerbundsmandat für Transjordanien, Palästina und Irak
1921
Emir Abdallah wird vorläufiger Herrscher Transjordaniens, sein Bruder Faisal König von Irak
1946
Jordanien wird unabhängig, Emir Abdallah zum König gekrönt
1948
Gründung Israels, Hunderttausende Palästinenser fliehen über den Jordan. Jordanien besetzt das Westjordanland und Ostjerusalem (Annexion 1950)
1953
Hussein wird König von Jordanien
1967
Jordanien verliert die Westbank und Ostjerusalem im Sechs-Tage-Krieg an Israel, behält aber bis 1988 die Verwaltungshoheit
1970/71
Die jordanische Armee schlägt die Revolte der Palästinenservertretung PLO blutig nieder (Schwarzer September)
1994
Friedensvertrag mit Israel
1999
Nach dem Tod König Husseins besteigt sein ältester Sohn Abdallah II. den Thron
2003
Die von den USA initiierte Invasion Iraks führt zur Auswanderung Hunderttausender Iraker nach Jordanien
2007
Bei den Parlamentswahlen werden die Islamisten zweitstärkste Kraft
Ein Land, zwei Bevölkerungen - ein heikles Thema
Die Gründung Israels 1948 brachte das Gleichgewicht des jungen jordanischen Staates völlig durcheinander. Etwa 350000 Palästinenser flohen aus ihrer Heimat in das Nachbarland. Der Anteil der palästinensischstämmigen Bevölkerung Jordaniens wird heute auf knapp die Hälfte der 6 Mio. Einwohner geschätzt. Offizielle Statistiken gibt es nicht, das Thema ist politisch brisant und wird gern totgeschwiegen. Denn lange hatten israelische Politiker erklärt, die Palästinenser bräuchten keinen eigenen Staat, weil sie in Jordanien bereits eine Heimstatt hätten. In Jordanien sind die Palästinenser besser integriert als in den anderen arabischen Staaten: Sie besitzen die jordanische Staatsbürgerschaft und beherrschen das wirtschaftliche Leben des Landes. Hohe Armee- und Staatsposten werden ihnen jedoch nach wie vor verweigert.
Handeln statt reden
Reisen bereichert und verbindet Menschen und Kulturen. Jedoch: Wer reist, erzeugt auch CO2. Dabei trägt der Flugverkehr mit bis zu 10 % zur globalen Erwärmung bei. Wer das Klima schützen will, sollte sich somit nach Möglichkeit für die schonendere Reiseform (wie z.B. die Bahn) entscheiden. Wenn keine Alternative zum Fliegen besteht, so kann man mit atmosfair handeln und klimafördernde Projekte unterstützen.
atmosfair ist eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation.
Die Idee: Flugpassagiere spenden einen kilometerabhängigen Beitrag für die vonihnen verursachten Emissionen und finanzieren damit Projekte in Entwicklungsländern, die dort helfen den Ausstoß von...
Klimagasen zu verringern. Dazu berechnet man mit dem Emissionsrechner auf www.atmosfair.de wie viel CO2 der Flug produziert und was es kostet, eine vergleichbare Menge Klimagase einzusparen (z.B. Berlin-London-Berlin: ca. 13 Euro). atmosfair garantiert, unter der Schirmherrschaft von Klaus Töpfer, die sorgfältige Verwendung Ihres Beitrags. Auch der MairDumont Verlag fliegt mit atmosfair.
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Geschichte einer Stadt. Eine Kindheit in Amman
Der Schriftsteller Abdelrachman Munif hat sehr persönlich die jordanische Hauptstadt in den 1940er-Jahren beschrieben.
Im Geist der Versöhnung. Ein Leben zwischen zwei Welten
Die Autobiografie von Königin Noor schildert das Leben der gebürtigen Amerikanerin zwischen dem Westen und der arabischen Welt.
Sympathie-Magazin „Jordanien verstehen" und Jordanien
Allen, die mehr über Politik und Gesellschaft des heutigen Jordanien wissen möchten, seien das „Sympathie-Magazin Jordanien verstehen" und der Band Jordanien (Beck-Verlag) von Olaf Köndgen empfohlen.
Lawrence von Arabien
Der Kinoklassiker von David Lean (mit Peter O'Toole in der Hauptrolle) wurde teils an Originalschauplätzen im Wadi Rum gedreht. Es geht um die Geschichte des britischen Orientalisten und Spions T. E. Lawrence und die Lage in Arabien kurz vor der Gründung des jordanischen Staates. Die passende Lektüre: T. E. Lawrence' Autobiografie Die sieben Säulen der Weisheit.
Recycle
Mahmoud Al-Massad erzählt in seinem Dokumentarfilm, wie ein junger Mann aus der Stadt Zarqa ums Überleben kämpft und dabei Gefahr läuft, in terroristische Netzwerke hineinzugeraten.
Amman Filmmakers Cooperative
Die Amman Filmmakers Cooperative (http://ammanfilmmakers.alif.com) zeigt ihre Produktionen teilweise im Internet. Die Mitglieder produzieren Low-Budget-Kurzfilme, die teils in englischer Sprache vertont sind, und haben 2008 das erste jordanische Kurzfilmfestival ausgerichtet.
www.djjg.de
Deutschsprachige Eindrücke aus erster Hand jenseits der Touristenpfade bieten die Austauschberichte auf der Website der Deutsch-Jordanischen Jugendgesellschaft.
www.black-iris.com
Bester Einstieg in die unabhängige jordanische Blogszene: die Site des jungen Politikwissenschaftlers Nasseem Tarawneh. Die Adresse führt auch direkt (oben rechts unter Links) zu dem Blog der gesellschaftskritischen Liedermacherin Ruba Saqr (http://rubasaqr.blogspot.com) sowie auf die politisch unabhängige Website http://www.7akifadi.com.
http://www.360east.com
Ahmed Humeid kommentiert die politisch-soziale und kulturelle Entwicklung Jordaniens und gibt Tipps zur Kommunikationstechnologie.
www.ajloun.blogspot.com
Unter dem Namen Khalaf berichtet ein junger Autor kritisch aus der Provinz.
www.jordanblogs.com
Die umfassendste, wenn auch leider nicht durchlaufend aktualisierte Übersicht über Blogs zu Jordanien.
© Verlag Marco Polo