LOS ANGELES
El Pueblo de la Reina de Los Angeles sobre el Rio de la Porciuncula – so hieß die Stadt am Anfang. Am Ende dann L.A. Kurz und bündig? Nein. Los Angeles ist wie ein gigantischer Pfannkuchen aufgegangen. Rund 13 Millionen Menschen leben hier auf einer Fläche so groß wie das Ruhrgebiet oder Schleswig-Holstein. »Los Angeles? Nein, danke!«, hört man deshalb häufig, nicht nur von Europäern, auch von Amerikanern. Sie fühlen sich überfordert und genervt von den monströsen Ausmaßen eines Siedlungsraums, in dem 168 Städte fließend ineinander übergehen. L.A. hat immer schon die Gemüter erregt und polarisiert. Die Fans feiern die Metropole der Massenkultur als goldene Beach-Boys-Welt, als Inbegriff des kalifornischen Traums. Kritische Geister dagegen geißeln sie als einen Moloch aus Freeways und Smog.
Wie dem auch sei, die Stadt rollt Besuchern keinen roten Teppich aus. In den »Big Apple« New York kann man, trotz seiner Größe, gleich reinbeißen, in die »Big Orange« keineswegs. Man muss sie erst schälen. Dann besteht die Chance, ihre Energie und Kreativität zu entdecken.
In wenigen Stunden Los Angeles kennenlernen, eine Stadt, die zu den unzugänglichsten der Welt gehört? Da kann nur ein touristischer Kunstgriff helfen. Start: Downtown. Unterhalb des Pershing Square kann man parken und sich oben zu Fuß auf den Weg machen, am besten gleich durch das alte Biltmore Hotel zur Bibliothek, der Central Library mit ihren schönen Atrien und schattigen Gartenanlagen, kurz, zu einer Stadtbibliothek, von der wir hierzulande nur träumen können.
Über 5th, Flower und 7th Street gelangt man zum Broadway und auf diesem Richtung Norden zur Ecke 3rd Street. Dort bietet das Bradbury Building ein kühles Plätzchen, erfüllt mit einem filigranen Skelett schöner Eisentreppen – ein Traum aus Backstein und Metall. Gegenüber prunkt das Million Dollar Theatre, und im wuseligen Grand Central Market breitet sich der kalifornische Garten Eden aus. Verlässt man das Schlaraffenland durch den Hinterausgang (Olive Street), zeigt sich erneut das Marmor-Stahl-und-Eisen-L.A. von Bunker Hill. Via Grand Avenue sind es nur ein paar Schritte zum renommierten Museum of Contemporary Art und zum derzeit wohl spektakulärsten Neubau, der Walt Disney Concert Hall. Über Hope Street geht es zur eleganten Freitreppe neben dem First Interstate World Center, dem zurzeit höchsten Wolkenkratzer L.A.s, hinab (und zurück) zur Central Library und letztlich wieder zum Pershing Square.
Anschließend fährt man rund ums Biltmore Hotel zur 6th und dort links bis Main Street. Sie ist eine verslumte Zeile mit Armenhotels und Missionsstationen, Junkies, Desperados und Obdachlosen. Erst ab First Street verflüchtigt sich das Elend. Dann folgt rechts plötzlich ein schöner Platz: die Keimzelle der Stadt und des Pueblos, die Plaza. Hier beginnt Olvera Street , ein ebenso kulinarischer wie kunstgewerblicher Straßenzug im Stil von Old Mexico. Auf der anderen Seite des Parks kann man einen kurzen Blick in die schöne Bahnhofshalle von Union Station werfen.
An der Cesar Chavez Avenue nimmt der Sunset Boulevard seinen Lauf. Von Glamour keine Spur. Dafür eine ziemlich schäbige Kraut-und-Rüben-Strecke voller Telefonmasten und Reklameschilder, Hütten und flacher Ziegelsteingebäude, durchwirkt von Tankstellen, Werkstätten und kleinen Apartmentkomplexen. In der Ferne kann man HOLLYWOOD am Berghang lesen. An Fountain Avenue schließlich – an der Gabelung von Sunset und Hollywood Boulevard – gibt es den ersten optischen Leckerbissen, das liebevoll restaurierte Vista , ein Kino-Oldie im Azteken-Look. Danach präsentiert sich der Sunset langsam feiner. Spätestens nach der Freeway-Überquerung lässt Hollywood grüßen. Griechische Gipssäulchen und anderes verspieltes Dekor erinnern ans Kino; CBS-Studio und Aquarius Theatre zeugen von weiteren Medien; Motels warten auf deren mobile Klientel.
An Vine Street bietet sich ein Schlenker zum Hollywood Boulevard an. An dieser Straßenkreuzung (Hollywood Blvd. & Vine Street) startete einst die Traumfabrik ihren Ruhm. Verloren zwischen Ramschläden, Souvenirshops und Imbissbuden muss man ihre Reminiszenzen wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen: den unverwüstlichen Künstlertreff »Musso & Frank«, das einst berühmte Premierentheater Egyptian Theatre, den Walk of Fame mit seinen Messingsternen auf dem Bürgersteig, ja, und das berühmte Grauman's Chinese Theatre.
Zurück zum Sunset. Ein paar Straßencafés mit Schickimicki-Gästen, Musikclubs und der gut sortierte Plattenladen von Tower Records machen die Highlights der Sunset-Achse durch West Hollywood aus. Ab Doheny Drive , bei der Einfahrt nach Beverly Hills, trägt der Sunset jetzt grün, macht sich breit und schafft sich einen Mittelstreifen an. Mauern und Hecken erlauben flüchtige Blicke aufs Wohnen im Paradies. Doch nur an den Bushaltestellen sieht man lebende Wesen: mexikanische Gärtner, Kindermädchen und Haushälterinnen.
Der streng bewachte Eingang zum Nobelviertel Bel Air passiert Revue, und kurze Zeit darauf schimmern hinter Eukalyptusbäumen die Sportanlagen, Studentenheime und sonstigen Gebäude der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) . Das nächste Highlight leuchtet von rechts: eine lichte feste Burg hoch oben über dem San Diego Freeway, das Getty Center, eines der größten und teuersten Kunstmuseen der Welt, gebaut vom New Yorker Star-Architekten Richard Meier.
Im angrenzenden Brentwood wohnt es sich gepflegt. Schließlich sinkt der Sunset dem Meer zu Füßen. Der Highway One, auf den er hinausläuft, führt hart am Wasser nach Santa Monica. Kurz vor dem Pier sollte man sich rechts einordnen für die Ausfahrt Ocean Avenue. Über die schicke Main Street in Santa Monica gelangt man zuletzt nach Venice und zum Ocean Front Walk.
Hollywood
Nur Bruchstücke des alten Hollywood sind noch erhalten; der große Rest ist sanierungsbedürftig. Investitionsabsichten der lokalen Geschäftswelt sollen den klangvollen Ort wieder in Schwung bringen.
Beverly Hills
Krankenhäuser, Friedhöfe und Beerdigungsinstitute sind hier nicht erlaubt – ebenso wenig wie Zigarettenkippen, Reklametafeln und McDonald's-Läden. Die Wohnhäuser ziehen sich in die Santa-Monica-Berge hinein, je höher, je teurer. Im Süden liegt das Mekka des Materialismus: 300 Luxusboutiquen, 23 Plastikchirurgen – hier kauft man sich neue Schuhe und ein neues Gesicht. Gut aussehen ist ein hartes Geschäft in Beverly Hills. Gepflegte Haut, volles Haar und feine Klamotten sind Pflicht bei den meisten der rund 20 500 Einwohner.
Santa Monica
Das alte Seebad (95 000 Einwohner) setzt seine Tradition der Naherholung für Millionen Angelenos auch heute noch erfolgreich fort: durch familienfreundliche Strände, den geruhsamen Palisades Park oberhalb der Klippen, die hervorragende Shopping-Meile Third Street Promenade und einen populären Pier, der mit Riesenrad und Karussell, Frittenbuden und Angelplätzen Jung und Alt gleichermaßen lockt.
Venice
Der tägliche Auftrieb der Feuerschlucker, Wahrsager, fliegenden Händler und Voyeure am Ocean Front Walk von Venice ist inzwischen via Postkarten, TV-Sendungen und Filme um die halbe Welt gegangen. (Gut zum People watching: das Sidewalk Cafe am Ocean Front Walk.) Der stillere Teil rund um die Kanäle gehörte zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Vision des Zigarettenfabrikanten Abbot Kinney, der hier seinen Traum von einer amerikanischen Renaissance umsetzte – mit importierten italienischen Gondeln und Gondolieri.
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