Brasilien hat viele Gesichter: die Sinnlichkeit Rio de Janeiros, Brasílias Beton gewordener Traum von Modernität, die Magie Salvadors, die atemberaubende Dynamik São Paulos, das undurchdringliche Grün Amazoniens, die europäische Tradition des Südens - und überall das strahlende Lächeln seiner Menschen. Brasilien ist ein Land der Superlative und der großen Kontraste. Brasilien überwältigt durch die überschwängliche Natur, die Schönheit der Menschen, die Mischung der Kulturen und die Ekstase des Karnevals. Arm und Reich liegen hier ebenso dicht beieinander wie intakte Natur und Agro-Business.
„Der erste Eindruck von diesem Lande ist der einer verwirrenden Üppigkeit.... Hier hat die Natur in einer einmaligen Laune von Verschwendung alles auf einen Raum gedrückt, was sie sonst auf mehrere Länder verteilt", schrieb der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig vor rund 70 Jahren in seinem Buch „Brasilien, Land der Zukunft". Brasilien hat alles im Überfluss.
So viel Fläche, dass ganz Europa beinahe hineinpasst, rund 8000 km Küste, das größte Regenwaldgebiet, den längsten Fluss der Erde, stellenweise so viele Tier- und Pflanzenarten auf einem Hektar wie in ganz Europa zusammen, zwei der größten Städte der Welt, über 190 Mio. Menschen mit Hautfarben in allen Tönen, unterschiedlichster Herkunft und Kultur: Portugiesen, Spanier, Deutsche, Italiener, Litauer, Polen, Syrer, Libanesen, Japaner, Koreaner und vor allem Afrikaner, die als Sklaven über drei Jahrhunderte lang ins Land gebracht wurden. Den Ureinwohnern, den Indianern, blieben nur noch wenige abgelegene Gebiete, die ihnen von armen Siedlern und Goldsuchern streitig gemacht werden.
Den Südosten Brasiliens dominieren die Millionenstädte Rio de Janeiro und São Paulo, zwei Städte, deren Antagonismus Sie auch als Besucher spüren. Beim Anflug auf São Paulo ein nicht enden wollendes Hochhausmeer, kein Flecken Grün - beim Anflug auf Rio die Spitzen der Berge, die dicht gedrängten Häuser der Favelas, während im...
Hintergrund das Blau des Meeres aufblitzt. Die Wirtschaft gibt den Takt in der Megapole São Paulo vor, während der Alltag in Rio noch immer von Strand und Samba auf der einen und dem Überlebenskampf in der Favela auf der anderen Seite geprägt zu sein scheint. Im Karneval, wenn sich die lebenstrunkene Stadt und ihre cariocas genannten Einwohner feiern, erreicht das Stadt-Feeling seinen Höhepunkt. Hören Sie Bossa Nova, die leichte Mischung aus Samba und Jazz, dann spüren Sie das Rio der Zona Sul, der eleganten Strandviertel. Der düstere Rap der Racionais MC ist die Musik aus der unendlichen Peripherie São Paulos. Das Hinterland Rios und São Paulos ist bergig, und je weiter es in die Berge von Minas Gerais geht, desto barocker und katholischer wird die Stimmung.
Der Nordosten Brasiliens, die nach Europa und Afrika zeigende Spitze, beginnt mit Bahia und endet in São Luís kurz vor der Amazonasmündung. Dazwischen liegen 3300 km Strände, palmengesäumt, mit Dünen, Steilküsten oder Buchten, Urlaubsparadiese für Touristen aus Brasilien und aller Welt. Das Sertão genannte Inland ist trocken und bergig. Manchmal regnet es mehrere Jahre nicht, sodass Mensch und Vieh nicht genug Wasser haben. Kein Wunder, dass die meisten Bundesstaaten des Nordostens auf den Tourismus als Haupteinnahmequelle gesetzt haben.
In Salvador ist Brasilien Afrika am nächsten. In der ersten Kolonialhauptstadt wurden die meisten Sklaven an Land gebracht, sodass bis heute über 85 Prozent ihrer Einwohner afrikanischer Herkunft sind. Die historische Altstadt mit ihren prächtigen Barockkirchen und Kolonialhäusern wurde zum Weltkulturerbe erklärt. Genauso wie der Samba, die von den Sklaven mitgebrachten Rhythmen und Tänze, die mit der Karnevalsmusik die Welt eroberten. Die Holländer setzten sich Anfang des 17. Jhs. in Olinda bei Recife fest, von wo sie über 20 Jahre lang Teile des Nordostens beherrschten. Auch das barocke Kleinod Olinda ist heute Weltkulturerbe, und in Recife gibt es eine lebhafte...
Musikszene, die traditionelle Rhythmen des Nordostens mit Rap und Funk vermischt. In dem von Franzosen gegründeten São Luís, der Hauptstadt des Bundesstaates Maranhão, mit seinen mit Kacheln geschmückten Kolonialbauten spürt man die Nähe zur Karibik. Die überwiegend afrobrasilianische Bevölkerung hört Reggae und feiert mit afrobrasilianischen Mysterienspielen.
Je weiter man in Brasilien nach Westen kommt, desto weiter wird das Land, desto grenzenloser wirkt es. Da sind die Ebenen, die für Rinderzucht und Getreideanbau genutzt werden, und die cerrados des trockenen Planalto, auf dem sich - über 1000 km von Rio und São Paulo entfernt - Brasília erhebt. 40000 Bauarbeiter stampften die Stadt innerhalb von vier Jahren aus der roten Erde. Der Wildnis des Westens kommt man in den Sümpfen des Pantanal nahe, wo es bis heute mehr Tiere als Menschen gibt. Nördlich des Pantanal, da wo der Planalto zum Amazonasbecken abfällt, beginnt das größte Regenwaldgebiet der Welt, die grüne Lunge unseres Planeten. Amazonien bedeckt fast die Hälfte Brasiliens, ein Ökosystem mit eigenen Gesetzen. Noch immer kann man aus dem Flugzeug eine geschlossene Waldfläche bis an den Horizont sehen, aber die Brandrodung frisst täglich weite Flächen.
Der Süden Brasiliens ist die Region der europäischen Einwanderer. Dort, wo Brasilien an Argentinien und Uruguay grenzt, liegen die weiten Ebenen der Pampa. Hier kämpften die stolzen Gauchos für ihre Unabhängigkeit und gaben den Bewohnern des südlichsten Bundesstaates Rio Grande do Sul ihren Namen. Auch musikalisch sind sie mit Milonga und Gitarrenmusik ihren südlichen Nachbarn nahe. Wagnis und Weite liegen dicht neben Tradition und Enge. Auf dem Land leben die deutschen und italienischen Immigranten teilweise noch wie unsere Großeltern. Canyons und Wasserfälle, Hortensien und Kiefern, Sommer und subtropische Winter, in denen es sogar schneien kann. Und im Sommer, wie überall in Brasilien, geht es an die Strände.
Brasilien ist seit Mitte der...
80er-Jahre eine stabile Demokratie. Mit Präsident Lula hatte erstmals auch die breite Mehrheit einen Vertreter an der Spitze des Landes, mit dem auch das Establishment zurechtkam. Sein Nachfolger übernimmt 2010 ein wirtschaftlich boomendes Land mit starker Währung und einem trotz Korruptionsskandalen funktionierenden politischen System. Das Grün des Urwalds, das Gelb des Goldes, das Blau der Flüsse und des Meeres, die weißen Sterne der Bundesstaaten wie Satelliten darin: Die Fahne wird schon im Kindergarten gehisst und jede Woche die Nationalhymne gesungen. Brasilianer sind mit Leib und Seele Bewohner ihres Landes, besonders wenn die Nationalmannschaft Fußball spielt oder man selbst in der Ferne weilt. Saudade heißt Sehnsucht, und die spüren Brasilianer häufig. „Brasilien verkörpert das Emotionale und Gefühlsbetonte wie wenige andere Kulturen", sagt der französische Anthropologe Michel Maffesoli, „eine Vorstellungswelt, in der die Gefühle als Widerstand gegen die Schwierigkeiten herangezogen werden." Lächeln allen Widrigkeiten zum Trotz - das Land der Zukunft ist Brasilien geblieben.
1500
Pedro Álvares de Cabral nimmt das Land des Brasilholzes für Portugal in Besitz
1534
Aufteilung in zwölf Capitanias, königliche Lehen
1624-54
Invasion der Holländer im Nordosten Brasiliens
1763
Rio de Janeiro wird Hauptstadt
1808
Dom João VI. flüchtet vor Napoleon aus Lissabon nach Rio de Janeiro
1822
Sein Sohn Pedro I. ruft die Unabhängigkeit aus und wird Kaiser
1840
Pedro II. wird zum Kaiser gekrönt und regiert Brasilien fast 50 Jahre
1888
Ende der 350 Jahre dauernden Sklaverei durch das von Prinzessin Isabel unterzeichnete „Goldene Gesetz"
1889
Großgrundbesitzer und Militärs setzen den Kaiser ab, Brasilien wird Republik
1930
Getúlio Vargas übernimmt mit einem Staatsstreich die Macht. Sein Estado Novo wird 1945 von den Militärs beendet
1956
Juscelino Kubitschek wird Präsident und treibt die Industrialisierung voran
1960
Einweihung Brasílias als Hauptstadt
1964
Das Militär putscht sich an die Macht, wo es sich 20 Jahre hält
1994
Präsident Fernando Henrique Cardoso stabilisiert das inflationsgebeutelte Land mit der Einführung des brasilianischen Real
2003
Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei (PT) wird Präsident
2014
Die Fußball-WM findet in Brasilien statt
Nicht nur unterm Zuckerhut: Lebensfreude pur
Brasilien ist das Land des Karnevals. Die Portugiesen brachten das Entrudo (Fasching) mit in die Neue Welt. Daraus wurde in den Tropen durch den Einfluss der Sklaven und ihrer Nachfahren der farbenprächtigste Karneval der Welt. Ob bei der Parade der Sambaschulen oder im Straßenkarneval - die Zurschaustellung der sprichwörtlichen brasilianischen Lebensfreude ist ein einmaliges Erlebnis. Karneval wird überall etwas anders gefeiert. Höhepunkt in Rio de Janeiro sind die zwei Nächte (So/Mo), in denen die zwölf besten Sambaschulen durch das Sambódromo ziehen. Ein Tribünenplatz im Setor Turismo kostet ca. 200 Euro. Umsonst auf der Straße sind die Umzüge der Karnevalsgruppen im Stadtzentrum, in Santa Tereza, in Copacabana und Ipanema. In den letzten Jahren erlebte der Straßenkarneval eine echte Renaissance. Auch in São Paulo (Fr/Sa) und am Amazonas wetteifern die Sambaschulen bei einem Umzug durch ein Sambastadion. Im Nordosten wird der Karneval tagelang auf den Straßen gefeiert. In Salvador herrscht siebe Tage lang Ausnahmezustand: Riesige Trio Elétricos - so heißen die von Sattelschleppern gezogenen fahrbaren Bühnen, auf denen Musikgruppen spielen - schieben sich durch die Straßen. Wer möchte, kann in einem Bloco am Karneval teilnehmen (ab ca. 60 Euro). Zum Straßenkarneval von Olinda und Recife mit seinen riesigen Pappmaché-Puppen, den wilden Frevo-Tänzern und prächtigen Maracatu-Gruppen kommen Touristen aus ganz Brasilien. Karten für Blocos und Tribünen: www.centraldocarnaval.com.br
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Erlebnisse im brasilianischen Alltag im Süden des Landes.
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Kuriositäten des Alltags in Brasilien aus Nordost-Perspektive.
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Infos, Reiseservice und Podcasts aus Brasilien.
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Wirtschafts- und Poltikinfos mit Zahlen und Hintergrundberichten.
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Wirtschaftsorientierter Blog mit interessanten Zahlen und Hintergrundberichten.
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Musiksender aus Rio: rund um die Uhr brasilianische Musik und Nachrichten.
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Was wäre Rio ohne den Samba?
Diesem mal leichten, mal bombastischen Rhythmus der Stadt kommen Sie näher bei einem abendlichen Besuch im Bohemeviertel Lapa oder in den Sambaschulen. Von August bis Karneval veranstalten die großen Schulen ihre Proben in den quadras genannten Vereinshäusern. Jeden Samstag ab 22 Uhr spielen die Trommler ohrenbetäubenden Samba de Enredo, während das Publikum tanzt. Gut mit dem Taxi zu erreichen ist die in der Nähe des Maracanã gelegenene Escola de Samba da Mangueira (Sa ab 21 Uhr | R. Visconde de Niterói 1072 | Tel. 021/38726786). Jeden 2. Sa können Sie hier Feijoada essen und Samba de Pagode erleben (5 R$ Eintritt, 10 R$ Feijoada).
Brasilien. Ein Land der Zukunft
Noch immer aktuell ist Stefan Zweigs 1941 erschienene Liebeserklärung an das Land, in dem er das letzte Jahr seines Lebens verbracht hat.
Brasilien, Brasilien
Das epische Werk (1984) des bahianischen Autors João Ubaldo Ribeiro schildert plastisch die brasilianischer Geschichte.
Die Herren des Strandes
Keiner hat die Menschen Bahias so treffend beschrieben wie Jorge Amado in über 20 Romanen. Dieser (1937) erzählt vom harten Leben der Straßenkinder.
Moro no Brasil/Brasileirinho
Zum Einstieg eignen sich gut diese beiden musikalischen Roadmovies des finnischen Filmemachers Mika Kaurismäki: das erste eine brasilianische Reise von Rio in den Nordosten (2002), das zweite ein Film über Chorinho-Musik (2006).
Cidade de Deus/Cidade dos Homens
In den Filmen (beide 2002) von Fernando Meirelles geht es um den Alltag Jugendlicher in den Favelas und Vorstädten von Rio de Janeiro zwischen Familie, Freunden, Drogendealern und der Polizei.
Central do Brasil
Brasilien abseits der Strände, ohne Glanz und Glamour, zeigt dieser Film von Walter Salles (mit Fernanda Montenegro in der Hauptrolle), der eine Oscar-Nominierung und den Goldenen Bären bei der Berlinale 1998 erhielt.
Salvadors Misswahl für den Karneval
Die Noite da Beleza Negra, die Nacht der Schwarzen Schönheit, ist das wichtigste Fest der selbstbewussten Afrobrasilianer. Dann wählt Ilê Aiyê, der älteste Bloco Afro (Karnevalsguppe, die nur Schwarze zu ihren Mitgliedern zählt) die Schönheitskönigin für den kommenden Karneval. Die aufwühlende Musik, die anmutigen Tänze der Kandidatinnen, das perfekte Styling der Besucher - schwarze Schönheit, die Sie kurz vor dem Karneval nicht verpassen sollten. Das Fest findet 2-3 Wochen vor dem Karneval statt und wird überall plakatiert. Ab September gibt's in der Senzala do Barro Preto, dem Vereinssitz von Ilê Aiyê in Curuzu (Stadtteil Liberdade) jeden Samstagabend Musik.
Im Pantanal den Großkatzen auf der Spur
Die atemberaubend schönen Raubkatzen waren den Pantaneiros lange...
ein Dorn im Auge. Sie raubten die Rinder, durften aber nicht abgeschossen werden. Inzwischen kommen die Touristen, um die seltenen Tiere zu sehen. Abdrücke der Tatzen oder das Gebrüll im Wald - mehr war oft nicht drin, weil die Tiere scheu sind. Seit zwei Jahren haben ein amerikanischer Biologe und seine deutsch-peruanische Frau ein Projekt aufgebaut, das Touristen von Juli bis September mit hoher Wahrscheinlichkeit den Anblick der Großkatzen in freier Wildbahn ermöglicht. Das Jaguar Research Center unterhält ein komfortables Zeltlager im Naturpark Encontro das Águas und ein Hausboot, das im ständigen Funkkontakt mit einheimischen Spurensuchern ist. Reservierung über Pantanal Wildlife Center | www.pantanalwildlifecenter.com
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